Blue Wake Awards 2026: von Seegraswiesen vor Ibiza bis zur 1-MW-Solaranlage einer Werft in Genua

Service

24/09/2026 - 14:14

Rund um die Balearen haben Ankermanöver den Seegraswiesen erheblich geschadet. Seit 2021 wurden dort 86.000 Posidonia-Pflanzen neu gesetzt. In Genua erzeugte die 1-MW-Photovoltaikanlage einer Refit-Werft im vergangenen Jahr knapp eine Million Kilowattstunden. Beide Projekte gehören zu den Gewinnern der Blue Wake Awards 2026, mit denen die Monaco Yacht Show Aussteller für Umweltlösungen auszeichnet, deren Wirkung mit messbaren Daten belegt ist.

Mit nachhaltiger Innovation im Superyachtbereich befasst sich die Messe seit 2022, zunächst über den Sustainability Hub und seit 2025 über das Programm Blue Wake. Jede Bewerbung prüft die Water Revolution Foundation unabhängig anhand technischer Nachweise in vier Bereichen: Emissionsminderung, Materialkreislauf, Ökodesign und Innovation sowie Schutz von Wasser und Meeresökosystemen. In diesem Jahr wurden 60 Projekte validiert. Die Lösungen mit der höchsten Punktzahl gingen an die Jury, die über die Gewinner abstimmte.

In der Kategorie Luxury Services & Products erhielt Bespoke Projects den Preis für GreenCast, ein gegossenes Acrylglas aus recyceltem Monomer (R-MMA), das das Unternehmen für Möbel, Tischlerarbeiten und Spezialoberflächen in Yachtinterieurs liefert und einbaut. In einer Umweltproduktdeklaration (EPD) hat Bespoke Projects das recycelte Material mit der Variante aus Neumonomer unter gleichen Produktionsbedingungen verglichen. Die Ergebnisse zeigen geringere Werte bei Treibhauspotenzial, Versauerung, Eutrophierung und Verbrauch fossiler Ressourcen. Zudem verwendet das Unternehmen Teakreste aus seinen Interieurprojekten weiter.

Bei den Zulieferern gewann Termodinamica mit einer Direktverdampfer-Klimaanlage für Yachten mit Inverter-Wärmepumpe, die ein herkömmliches Kaltwassersystem ersetzen kann. Beide Systeme wurden in einer Ökobilanz von der Wiege bis zur Bahre über 10 Wirkungskategorien nach ISO-Methodik verglichen; die Studie wurde unabhängig begutachtet und von LCA-Fachleuten verifiziert. Sie ergab Reduktionen zwischen 60 und 66 % in den untersuchten Kategorien. Anschließend erfasste das Unternehmen den Betrieb der Anlage 8 Tage lang auf einer Yacht im Mittelmeer. Auf Grundlage dieser Daten könnte das System jährlich rund 8.000 Liter Kraftstoff und 22 Tonnen CO2 einsparen.

Den Preis für Neubau- und Refit-Werften erhielt Amico & Co. Auf dem Werftgelände in Genua vermied die Solaranlage im vergangenen Jahr mehr als 400 Tonnen CO2. Alle Liegeplätze verfügen über Landstrom, sodass die Yachten ihre Generatoren abschalten können. Abwasser wird vor Ort aufbereitet, die festen Hallen sind energieeffizient ausgelegt, und auf einer Eco-Island wird der Abfall in 25 Fraktionen getrennt; im vergangenen Jahr wurden so mehr als 1.000 Tonnen verwertet. Nach Einschätzung der Jury handelt es sich um Maßnahmen, die bereits in vollem Umfang laufen und die auch andere Werften übernehmen können. Amico & Co ist seit 2002 nach ISO 14001 zertifiziert.

In der Kategorie Tenders / Water Toys siegte Tykun mit den Aluminium-Tendern Tykun X und Tykun XII. Das Unternehmen hat eine vollständige Ökobilanz von den Rohstoffen bis zum Lebensende nach ISO 14040 und 14044 erstellt. Die Ergebnisse umfassen 14 Wirkungskategorien und reichen bis auf die Ebene einzelner Bauteile. So lässt sich erkennen, woher die größten Belastungen stammen und wo Verbesserungen möglich sind. Eine Umweltproduktdeklaration wird derzeit von RINA geprüft.

Der Preis in der Kategorie Yacht Services / Brokerage / Charter ging an Marina Ibiza. Die Marina arbeitet seit 2021 mit der Vellmari-Vereinigung an der Wiederherstellung von Posidonia-Wiesen, die für die Artenvielfalt im Meer, die Speicherung von Kohlenstoff und die Stabilität des Meeresbodens von Bedeutung sind. Die 86.000 Pflanzen bedecken knapp 3.000 Quadratmeter, die Überlebensrate liegt über 90 %, in den wiederhergestellten Flächen wurden 28 Arten nachgewiesen. Taucher kontrollieren die Ergebnisse jedes Jahr entlang derselben Transekte.

Den Blue-Wake-Sonderpreis für eine Yacht erhielt Simena, eine 62 Meter lange Fahrtenketsch von Ares Yachts. Zum Hybridantrieb gehören Elektromotoren und Rekuperation unter Segeln; die Jury nennt außerdem den geringen stündlichen Kraftstoffverbrauch und den optimierten Strombedarf der Bordversorgung. Die YETI-Bewertung auf Basis des jährlichen Betriebsprofils nach ISO/TS 23099 ergab eine Verbesserung um 11 % gegenüber dem Flottendurchschnitt.


Der Jury gehörten Lucy Dunn, Content Director von Boat International Media, Vienna Eleuteri Held, Vizepräsidentin der Water Revolution Foundation, Toby Moore, CEO von Informa Prestige, Sara-Jane Skinner, Head of Partnerships der Blue Marine Foundation, der Schiffsarchitekt Carlo Torre, Inhaber von Monaco Yacht Temptation, sowie Tom von Bonsdorff, CEO von Baltic Yachts, an. Die Trophäe für die Gewinner stammt von dem französischen Künstler Cyril Bagnost, entstand in der Normandie und ist von der Heckwelle einer Yacht und der Flosse eines Wals inspiriert.

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