Stefano de Vivo, Executive Chairman von WOSA und Präsident der Superyacht Life Foundation

Stefano de Vivo, Executive Chairman von WOSA und Präsident der Superyacht Life Foundation

Nachhaltigkeit im Yachting, Stefano de Vivo: Es wurde bereits viel getan, aber zu wenig kommuniziert

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13/04/2026 - 07:10

 

Das Panel „Redefining Luxury, Episode 2: From ambition to implementation - How Italian excellence is shaping the path toward responsible interiors“, organisiert von Smart Interiors Horizon, zählte Stefano de Vivo, Executive Chairman von WOSA und Präsident der Superyacht Life Foundation, zu seinen Teilnehmern.

SIH, ein Komitee unter der Water Revolution Foundation, brachte das Thema Nachhaltigkeit in Interieurs und der nautischen Lieferkette zur SEAQUIP Milano 2026 und bot eine klare Analyse der bereits umgesetzten Maßnahmen, die jedoch nur unzureichend kommuniziert werden.

PressMare - Stefano, Sie haben während des Panels betont, dass die Yachtindustrie bereits konkrete Fortschritte im Bereich Nachhaltigkeit gemacht hat, diese jedoch nicht richtig kommuniziert werden. Warum?

Stefano de Vivo - Oft, weil wir sie als selbstverständlich ansehen. Es besteht die Tendenz, sich auf stärkere Botschaften wie Net Zero zu konzentrieren, während viele konkrete Maßnahmen wenig Beachtung finden. Dabei sind es genau diese Maßnahmen, die den Unterschied machen.

In den letzten Jahren haben viele Werften – sowohl große als auch kleinere – investiert, um die Umweltbelastung nicht nur des Endprodukts, sondern auch des Produktionsprozesses zu reduzieren. Ich denke zum Beispiel an die Entwicklung von Lacken, die heute deutlich weniger belastend sind, oder an die Materialien in der GFK-Verarbeitung, die wesentlich weniger aggressiv geworden sind.

Gleichzeitig haben mehrere Werften in eigene Energieproduktion, Solaranlagen und Systeme zur Reduzierung des Energieverbrauchs während der Bauphase investiert.

Das Problem ist, dass all dies kaum kommuniziert wird.

PM - Ist es also eher ein Kommunikations- oder ein Prioritätenthema?

SdV - Beides. Die Kommunikation dieser Aktivitäten erfordert Zeit und Ressourcen und bringt oft keinen unmittelbaren kommerziellen Nutzen. Deshalb werden Budgets eher für direkt verkaufsbezogene Maßnahmen eingesetzt.

Im Yachting-Sektor konzentrieren sich Kommunikationsinvestitionen stark auf Messen, auf denen das fertige Produkt präsentiert wird. Dort entscheidet sich der Wettbewerb.

Ich bin jedoch überzeugt, dass sich dieser Ansatz ändern muss. Wenn wir nicht kommunizieren, was wir tun, lassen wir Raum für verzerrte Wahrnehmungen.

PM - Welche Rolle spielen Initiativen wie die Superyacht Life Foundation in diesem Zusammenhang?

SdV - Eine zentrale Rolle. Die Yachtindustrie ist direkt vom marinen Umfeld abhängig. Ohne das Meer gäbe es diese Industrie nicht. Das sollte eine gemeinsame Grundlage sein.

Initiativen wie die Superyacht Life Foundation tragen dazu bei, Bewusstsein zu schaffen – sowohl innerhalb der Branche als auch nach außen. Es geht darum, die Grundlagen für die Zukunft des Sektors zu legen.

PM - Wie setzen Sie diese Prinzipien in Ihrer täglichen Arbeit um?

SdV - Sehr konkret. Im Refit schlagen wir Eignern und Kapitänen Lösungen vor, die die Umweltbelastung reduzieren – sowohl hinsichtlich der Emissionen als auch der Qualität der Innenräume.

Wir arbeiten bevorzugt mit lokalen Lieferanten zwischen Livorno und La Spezia, um Transportwege zu minimieren. Bei temporären Abdeckungen arbeiten wir mit Partnern zusammen, die Materialien recyceln. Es sind kleine Maßnahmen, die in ihrer Summe einen Unterschied machen.

Zudem bringen wir unsere Kunden mit Spezialisten und Technologien in Kontakt, die die Umweltperformance der Yacht verbessern können.

PM - Was beeinflusst die Entscheidung des Eigners bei der Wahl zwischen verschiedenen Lösungen?

SdV - Häufig ist es nicht der Preis, sondern die Zeit. Refit-Arbeiten müssen im Winter durchgeführt werden, wenn die Yacht stillliegt. Das ist der eigentliche limitierende Faktor.

Dennoch sind Eigner zunehmend sensibilisiert. Wenn die Kostenunterschiede gering sind, entscheiden sie sich eher für Lösungen, die Umwelt und Komfort verbessern.

Ein weiterer Aspekt ist das Innenraumklima. Materialien, Lacke und Oberflächen beeinflussen direkt den Komfort an Bord – und davon profitiert in erster Linie der Eigner selbst.

PM - Welche Rolle spielen Zertifizierungen?

SdV - Sie sind eine Grundvoraussetzung. Wir arbeiten ständig mit Klassifikationsgesellschaften wie RINA, Lloyd’s oder DNV zusammen, daher ist die Einhaltung der Vorschriften integraler Bestandteil des Prozesses. Darüber hinaus prüfen wir Herkunft der Materialien, zertifizierte Ressourcen und die Nachhaltigkeit der Lieferkette.

Das tun wir unabhängig davon, ob der Kunde es explizit verlangt. Es ist Teil unseres Ansatzes und unserer Arbeitsweise.

PM - Auch der soziale Aspekt der Nachhaltigkeit wurde angesprochen. Wird er noch unterschätzt?

SdV - Absolut. Der Fokus liegt stark auf Umweltaspekten, weniger auf den Menschen. Dabei ist dieser Aspekt zentral. Die Qualität unserer Arbeit hängt direkt von den Fachkräften ab. Hohe handwerkliche Standards erfordern ein sicheres, gesundes und gut organisiertes Arbeitsumfeld.

Viele Eigner achten während der Bauphase genau darauf: Arbeitsbedingungen, Organisation der Werft, Atmosphäre. All das beeinflusst ihre Wahrnehmung des Projekts. Zudem besteht eine enge Verbindung zum Territorium. In Italien verfügen wir über eine Tradition, eine Kultur des Handwerks und ein Netzwerk an Kompetenzen, das sich nicht einfach replizieren lässt.

 

Der Wandel ist bereits im Gange, oft leise und wenig sichtbar.

Der Unterschied liegt heute darin, ihn sichtbar zu machen. Denn das, was tatsächlich funktioniert, zu kommunizieren, bedeutet auch, die Wahrnehmung der gesamten Branche neu zu definieren.

Und genau dort liegt die Herausforderung: zwischen dem, was getan wird, und dem, was verstanden wird.

Rebecca Gabbi

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