Ferretti, KKCG-Übernahmeangebot abgeschlossen: 56,8% Zustimmung, potenzieller Anteil bei 23,4%, Fokus auf Governance
Die Annahmefrist für das von KKCG Maritime, der Holding des tschechischen Unternehmers Karel Komárek, gestartete Teilübernahmeangebot auf die Stammaktien von Ferretti ist heute, am 13. April 2026, abgelaufen.
Die endgültigen Daten zeigen eine hohe Beteiligung: Insgesamt wurden 29.611.598 Aktien angedient, was 56,8% der von dem Angebot betroffenen Wertpapiere entspricht. Davon wurden mehr als 13,5 Millionen Aktien am letzten Tag eingereicht, was eine deutliche Konzentration der Annahmen in der Schlussphase bestätigt.
Das Angebot bezog sich auf einen Anteil von 15% des Grundkapitals. In Gesamtbetrachtung entspricht die Annahmequote damit etwa 8,5% des gesamten Ferretti-Kapitals. Unter Berücksichtigung der bereits gehaltenen Beteiligung von 14,9% würde der Anteil von KKCG theoretisch auf rund 23,4% steigen.
Es handelt sich hierbei um einen indikativen Wert, der im Lichte möglicher Zuteilungsmechanismen noch bestätigt werden muss. Sollten die Annahmen das maximal erwerbbare Volumen überschreiten, käme eine proportionale Zuteilung zur Anwendung, mit möglichen Auswirkungen auf den endgültigen Anteil.
Borsa Italiana stellte zudem klar, dass Ferretti-Aktien, die in den Handelssitzungen vom 9. und 10. April erworben wurden, nicht in das Angebot eingebracht wurden – ein technischer Aspekt, der das Endergebnis beeinflusst hat. Angaben zu den betroffenen Mengen oder den Gründen für die Nichtberücksichtigung wurden jedoch nicht gemacht.
Der Abschluss des Übernahmeangebots stellt jedoch nur den ersten Schritt in einem umfassenderen Prozess dar. Der Fokus richtet sich nun auf die Einreichung der Listen für die Erneuerung des Verwaltungsrats, in der sich die aus dem Angebot resultierenden Aktionärsverhältnisse in konkrete Governance-Vorschläge übersetzen werden.
In dieser Abfolge — vom Abschluss des Angebots bis zur Definition der Listen — entscheidet sich die Zukunft der Gruppe. Auf der einen Seite steht der Referenzaktionär Weichai, auf der anderen KKCG, das durch die Transaktion seine Position im Kapital deutlich gestärkt hat. Dazwischen befinden sich institutionelle Investoren und private Aktionäre, deren Rolle für die Bildung einer Mehrheitsstruktur entscheidend sein kann.
In diesem Kontext kommt der Rolle des CEO Alberto Galassi besondere Bedeutung zu. Während der Angebotsphase hat der Manager eine formal neutrale Position eingenommen und eine direkte Positionierung im Konflikt zwischen der chinesischen und der tschechischen Seite vermieden. Dennoch bleibt die Frage der operativen Führung eines der zentralen Elemente bei der Definition der zukünftigen Machtverhältnisse.
Der Übergang von der Angebotsphase zur Hauptversammlungsphase markiert somit einen Perspektivwechsel: von einer überwiegend finanziellen Dynamik hin zu einer klar industriellen und strategischen Dimension. In der Zusammensetzung der Listen und der anschließenden Abstimmung der Aktionäre werden nicht nur die Governance-Strukturen, sondern auch die operative Ausrichtung der Gruppe für die kommenden Jahre festgelegt.
Nicht so sehr das numerische Ergebnis des Angebots, sondern vielmehr die Fähigkeit der verschiedenen Aktionäre, ihr Gewicht in eine tragfähige Governance zu übersetzen, wird die zukünftige Struktur eines der führenden Akteure der internationalen Yachting-Industrie bestimmen.
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