Giorgio Mattei, Vizepräsident der Next Yacht Group
Giorgio Mattei, Next Yacht Group: Unser Ziel ist es, die führende Italian Yacht Boutique zu werden
Es gibt etwas Unkonventionelles im Werdegang von Giorgio Mattei. Vor der Nautik standen Biomedizintechnik, Forschung an Geweben und In-vitro-Organen, Technologietransfer und Künstliche Intelligenz. Dann folgte die Begegnung mit der Next Yacht Group – dem Yachtbereich der GB Invest Holding AG, einer österreichischen Holdinggesellschaft im Besitz der Familie Nesti, die in den vergangenen Jahren eine branchenübergreifende Investitionsstrategie in den Bereichen Technologie, Hospitality, Immobilien und Yachting aufgebaut hat. Die Gruppe ist Eigentümerin der Marken Maiora und AB Yachts und verfolgt ein Industrieprojekt, das sich nicht darauf beschränkt, Yachten zu bauen, sondern eine umfassendere Vision zeitgenössischen Luxus interpretiert.
In einer Branche, in der häufig über Meter, Knoten, Bruttoraumzahl und Auftragsbücher gesprochen wird, verwendet Mattei ein anderes Vokabular: „Quality Time“, „Boutique“, „Erlebnis“, „lokales Gehirn“ und „Produktidentität“. Begriffe, die – so seine Worte – keine Marketingformeln sind, sondern Instrumente, um die zukünftige Positionierung von Maiora und AB Yachts zu definieren.
PressMare hat mit ihm über das Wachstum der Gruppe, die neuen Produktionskapazitäten, die Entwicklung der Märkte, die gegenseitige Befruchtung der beiden Marken, Nachhaltigkeit sowie das KI-System gesprochen, das Next Yacht Group derzeit für ihre Yachten entwickelt.
PM – Next Yacht Group ist erstmals im Global Orderbook vertreten. Welche Bedeutung hat dieses Ergebnis?
GM – Das Unternehmen ist erstmals offiziell in das Global Orderbook aufgenommen worden und belegt mit 19 zwischen September 2024 und September 2025 im Bau befindlichen oder ausgelieferten Einheiten den 15. Platz. Auch die durchschnittliche Länge ist auf 33,4 Meter gestiegen, während die Gesamtlänge von 387 auf 635 Meter gewachsen ist.
Für uns besteht das Ziel jedoch nicht darin, lediglich in einer Rangliste aufzusteigen. Im Global Orderbook gibt es Werften, deren Stärke vor allem in Produktionsvolumen liegt. Wir verstehen uns als „Yacht Boutique“ und konzentrieren uns daher vor allem auf die Konsolidierung von Qualität, der unverwechselbaren Identität unserer Gruppe und eines nachhaltigen Wachstums.
Das Wachstum, das wir für die Zukunft anstreben, bedeutet daher nicht nur höhere Stückzahlen, sondern vor allem mehr Innovation, mehr Wertschöpfung und eine stärkere internationale Präsenz. Genau diese Rolle möchten wir der Next Yacht Group sowie den Marken Maiora und AB Yachts geben.
PM – Maiora hat kürzlich sein 50-jähriges Jubiläum gefeiert, AB begeht in diesem Jahr sein 34-jähriges Bestehen. Wie groß ist heute das tatsächliche historische Erbe der beiden Marken?
GM – In der Vergangenheit war häufig von insgesamt 600 unter den beiden Marken gebauten Booten die Rede. Tatsächlich schloss diese Zahl jedoch auch Einheiten ein, die im eigentlichen Sinne keine Yachten waren. Betrachtet man ausschließlich die ausgelieferten Motoryachten, sprechen wir von rund 380 Einheiten insgesamt: 265 Maiora und 115 AB Yachts.
Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie auch den Weg widerspiegelt, den wir heute verfolgen möchten: mehr Fokus, weniger Zerstreuung und eine stärkere Übereinstimmung mit der Positionierung beider Marken.
PM – In den vergangenen Jahren haben Sie Ihre Produktionskapazitäten erheblich erweitert. Welche industrielle Dimension hat Next Yacht Group heute?
GM – Heute verfügen wir über mehr als 60.000 Quadratmeter Produktionsfläche zwischen Massa und Viareggio mit drei Werftstandorten und zwei zusätzlichen Einrichtungen. Wir verfügen über acht Laminierstationen, sechzehn Ausrüstungsplätze und fünf exklusive Liegeplätze, zu denen selbstverständlich weitere verfügbare Kaiflächen hinzukommen.
Derzeit befinden sich dreizehn Yachten im Bau: sechs in der Laminierungsphase, neun in der Ausrüstung an Land und vier in der abschließenden Inbetriebnahme am Kai. Diese Investitionen sind Bestandteil unseres Dreijahresplans. Ziel ist es, künftig gleichzeitig 18 bis 20 Yachten im Bau zu haben.
PM – Könnte Refit in diesem Zusammenhang künftig zu einem eigenen Geschäftsbereich werden?
GM – Refit ist ein interessantes Thema, das wir sehr konkret prüfen, auch weil es für unsere Kunden ein natürlicher Upselling-Service sein könnte. Im Moment ist dies jedoch noch kein geplanter Geschäftsbereich. Derzeit konzentrieren sich alle unsere Kräfte auf die Konsolidierung von Maiora und AB Yachts.
Mit einer künftig großen Flotte im Einsatz wird es allerdings kaum vorstellbar sein, unseren Kunden einen solchen Service nicht anzubieten. Heute bleibt die Priorität jedoch eindeutig der Ausbau unseres Neubaugeschäfts.
PM – Welchen Einfluss hat die aktuelle geopolitische Lage auf den Yachtmarkt?
GM – Die globale geopolitische Situation ist ein Faktor, der zahlreiche Industrien erheblich beeinflusst – nicht nur den Yachtsport. Für uns hat sie die strategische Ausrichtung des Unternehmens allerdings nicht grundlegend verändert. Die größten Auswirkungen zeigen sich in der Nachfrageentwicklung und in den Lieferketten. Die Eigner sind selektiver geworden, Entscheidungsprozesse dauern länger und die Stabilität des industriellen Umfelds, in dem eine Yacht gebaut wird, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Der Kauf wird weniger emotional und stärker rational geprägt.
Auch auf der Seite der Lieferkette stehen Kostenmanagement und Versorgungssicherheit im Mittelpunkt. Die Covid-Pandemie hat uns gezeigt, dass Kostensteigerungen während der Bauzeit einer Yacht erhebliche Auswirkungen auf die Margen haben können. Heute verfügen wir über deutlich robustere Verträge, dennoch bleibt dieses Thema von großer Bedeutung.
PM – Bleibt der Nahe Osten ein vielversprechender Markt?
GM – Die Perspektiven bestehen weiterhin, allerdings agiert der Nahe Osten heute deutlich vorsichtiger als noch vor einigen Jahren. Wir waren bereit, an der Bootsmesse in Dubai im April teilzunehmen, doch die Veranstaltung wurde aufgrund der starken geopolitischen Spannungen und des Konflikts im Nahen Osten abgesagt. Das zeigt, dass der Markt keineswegs stillsteht, sondern sich in einer vorsichtigeren Phase befindet.
Die weltweite Nachfrage nimmt weniger ab, sondern verteilt sich vielmehr neu. Deshalb setzen wir weiterhin auf geografische Diversifizierung, den Ausbau unserer Produktpalette sowie Investitionen in Innovation und Produktionskapazitäten.
PM – Wie wichtig ist in einem derart unsicheren Umfeld eine finanzstarke Eigentümerstruktur?
GM – Sie ist von entscheidender Bedeutung. Eine solide Eigentümerstruktur reduziert das Gefühl von Unsicherheit und vermittelt dem Kunden die Gewissheit langfristiger Kontinuität. Gerade bei Yachten mit langen Bauzeiten und erheblichen Investitionen stellt dies einen wichtigen Mehrwert dar.
Ich habe die Entwicklung der Werft seit dem Erwerb der Mehrheitsanteile bis zur heutigen Situation mit neuer Eigentümerschaft und neuem Management miterlebt. Heute können wir dem internationalen Kunden sehr überzeugende Argumente bieten. Wenn er unsere Werft besucht und einen hervorragend organisierten Produktionsstandort, eine hochwertige Deck Lounge für den Empfang sowie sichtbare Investitionen vorfindet, verändert sich seine Wahrnehmung deutlich.
PM – Wie beurteilen Sie den amerikanischen Markt?
GM – Der Markt ist stark gewachsen und manche beobachten inzwischen erste Anzeichen einer Abschwächung. Da wir jedoch mit beiden Marken in sehr spezifischen Marktsegmenten tätig sind, können wir weiterhin von einer weitgehenden Stabilität sprechen. In diesem Jahr werden wir bedeutende Maiora- und AB-Yachts-Einheiten an die US-Ostküste, genauer nach Florida, ausliefern.
PM – Ist Ihre Produktion heute stärker auf Maiora oder auf AB Yachts ausgerichtet?
GM – Das hängt vom jeweiligen Zeitpunkt ab. Es gab eine Phase, in der AB Yachts überwog. Heute würde ich sagen, dass die Produktion recht ausgewogen ist. Die neue Modellstrategie, an der wir derzeit arbeiten, sieht allerdings eine stärkere Gewichtung zugunsten von Maiora vor.
PM – Die Baureihe Maiora Exuma entwickelt sich sehr erfolgreich. Wie ist dieses Projekt entstanden?
GM – Die Exuma-Reihe entstand aus dem konkreten Wunsch eines amerikanischen Eigners, der eine Maiora suchte, die auch in flachen Gewässern schnell fahren kann. Aus dieser Anforderung und durch die Verbindung der DNA von AB Yachts und Maiora entstand zunächst ein Projekt, das als Einzelanfertigung gedacht war. Tatsächlich werden wir jedoch in etwa einem Monat bereits die sechste Exuma 36 ausliefern, während die erste Exuma 42 für den kommenden Sommer vorgesehen ist. Dieses Projekt verkörpert unsere Boutique-Philosophie perfekt: Stil, Eleganz und Technologie vereint in einer Yacht mit einer starken eigenen Identität.
Die Exuma 42 ist eine 42 Meter lange Yacht mit 430 BRZ und einem außergewöhnlichen Layout. Sowohl die Eignersuite als auch sämtliche Gästesuiten befinden sich auf dem Hauptdeck. Großflächige Verglasungen sowie ein vollständig offenes Infinity-Upperdeck mit 360-Grad-Ausblick schaffen eine außergewöhnlich enge Verbindung zwischen Innen- und Außenbereichen. Die geplante Motorisierung ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Knoten. Das Projekt ist das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen der Werft sowie Giorgio Maria Cassetta für das Außendesign und Elie Saab für die Innenarchitektur.
PM – Welche Bedeutung hat der technologische und stilistische Austausch zwischen Maiora und AB Yachts?
GM – Er ist von großer Bedeutung, solange er nicht zu einer Vereinheitlichung des Angebots führt. AB Yachts ist und bleibt unsere „Formel 1“-Baureihe: der Bereich, in dem Schiffbauingenieurwesen, Werkstoffe und Technologie ihren höchsten Ausdruck finden. Wenn sich eine Lösung bewährt, ist ihre Übertragung auf Maiora ein natürlicher Schritt.
Dieser Austausch verläuft jedoch nicht nur in eine Richtung. Die Reverse-Windschutzscheibe, die bei der AB 110 und AB 95 eingeführt wurde, ist ein Beispiel für einen umgekehrten Wissenstransfer: Eine sportliche Yacht profitiert von einer größeren Innenraumqualität – einem Bereich, in dem Maiora traditionell besonders stark ist.
Entscheidend ist, starke und klar erkennbare Markenidentitäten zu bewahren. Der Austausch ist sinnvoll, wenn er die Marken bereichert, nicht wenn er sie einander ähnlicher macht.
PM – Auch AB Yachts scheint sich weiterentwickelt zu haben: weniger extremes Boot, mehr Sportyacht.
GM – Genau so ist es. AB Yachts muss schnell bleiben – das gehört zu seiner DNA. Doch wir haben den Schritt von einem nahezu rennsportorientierten Boot hin zu einer Sportyacht vollzogen. Heute umfasst die Baureihe Modelle mit sehr hohen Fahrleistungen, die gleichzeitig deutlich komfortabler und vielseitiger nutzbar sind.
Es handelt sich um eine moderne Neuinterpretation der Marke: Spitzenleistungen innerhalb ihrer Kategorie, aber weniger Extreme. Dadurch konnten wir die Qualität an Bord insgesamt steigern und reichhaltigere, technologisch fortschrittlichere Lösungen integrieren, die besser dem tatsächlichen Einsatz einer Yacht entsprechen. Eine AB lässt sich mit einem Porsche 911 vergleichen: ein ikonisches Modell mit außergewöhnlichen Fahrleistungen, das sein Besitzer jedoch nicht ausschließlich wegen seiner Geschwindigkeit genießt. Dasselbe gilt für unsere Yachten.
PM – In diese Weiterentwicklung von AB Yachts fügt sich auch die neue Partnerschaft mit Brabus ein. Welche Bedeutung hat sie für die Marke?
GM – Diese Partnerschaft basiert auf einer großen Übereinstimmung unserer Visionen. Mit Brabus teilen wir die Vorstellung eines leistungsorientierten Luxus, der eine starke Identität besitzt, unmittelbare Wirkung entfaltet und zugleich für Qualität, Forschung und höchste Liebe zum Detail steht.
Für AB Yachts stellt sie einen weiteren Schritt in der Aufwertung der Marke dar. Es geht nicht einfach darum, eine Designsprache auf eine Yacht zu übertragen, sondern gemeinsam eine neue Interpretation von Performance und dem Erlebnis an Bord zu entwickeln. Brabus bringt eine starke, international bekannte DNA mit, AB Yachts sein Know-how im Bau leistungsstarker Made-in-Italy-Yachten. Es ist eine sehr natürliche Verbindung, die es uns ermöglicht, ein neues Kapitel aufzuschlagen und gleichzeitig unsere Identität weiter zu stärken.
PM – Wird das Wachstum der Yachtgrößen Sie in Richtung Metallbau führen?
GM – Ja. Wir haben eine Schwelle erreicht, die den Übergang zwischen Verbundwerkstoffen und Metall markiert – nicht aufgrund struktureller Grenzen des Verbundmaterials, sondern aus strategischen Gründen und wegen der Erwartungen der Eigner. Theoretisch könnten wir auch 50 Meter in Verbundbauweise realisieren. Ab einer bestimmten Größe gewinnen jedoch Individualisierung und das subjektive Empfinden größerer Robustheit an Bedeutung, wodurch Metall zur bevorzugten Wahl wird.
Maiora wird mit 42 Metern das Flaggschiff im Composite-Bereich haben, während AB Yachts die 45-Meter-Grenze überschreiten wird. Besonders aufmerksam beobachten wir das Segment der 50-Meter-Yachten unter 500 BRZ, das eine tragende Säule unseres Wachstumsplans darstellt und uns den Einstieg in den Metallbau ermöglichen wird.
PM – Sie sind stolz darauf, nahezu ausschließlich mit einer „Made in Tuscany“-Lieferkette zu arbeiten. Wie wollen Sie dieses Merkmal trotz Ihres Wachstums bewahren?
GM – Das wird nicht einfach sein, denn wir arbeiten in einem der weltweit bedeutendsten Cluster für den Freizeitschiffbau, in dem sehr starke Wettbewerber aktiv sind. Dennoch sind wir überzeugt, dass wir diese toskanische Identität unseres Produkts bewahren können. Zu diesem Zweck haben wir gezielte strategische Akquisitionen vorgenommen. Dadurch können wir unsere Positionierung als „100% Made in Italy“ – oder besser gesagt „Made in Tuscany“, ein Ausdruck, auf den wir besonders stolz sind – weiter festigen.

Der Grund dafür ist einfach: Wir möchten eine Boutique bleiben. Stückzahlen sind für uns zweitrangig gegenüber Qualität. Wir sind nicht bereit, bei Verarbeitung, Standards oder Produktkohärenz Kompromisse einzugehen, nur um einfacher höhere Margen zu erzielen.
PM – Sie wollen also nicht über den Preis konkurrieren.
GM – Nein. Wenn bei einem Gespräch mit einem Eigner der Preis zum zentralen Thema wird, bedeutet das für uns, dass der Dialog in die falsche Richtung gegangen ist. Unser Ziel ist es, Next Yacht Group nicht als klassische Werft, sondern als Boutique zu etablieren.
Eine Boutique betritt man nicht auf der Suche nach dem niedrigsten Preisschild. Man betritt sie, weil man ein maßgeschneidertes Produkt sucht, das einer bestimmten Vorstellung von Qualität und Identität entspricht. Wahrscheinlich kauft man bei uns nicht die günstigste 30-Meter-Yacht auf dem Markt, sondern ein Produkt, das großzügiger, hochwertiger, sorgfältiger verarbeitet und konsequenter einer bestimmten Vision folgt.
PM – Wo verläuft die Grenze zwischen Industrialisierung und Handwerkskunst?
GM – Das ist ein zentraler Punkt. Unser Beruf verlangt, eine gewisse natürliche Ineffizienz zu akzeptieren. Wir können nicht wie die Automobilindustrie mit Konfiguratoren und standardisierten Layouts arbeiten. Wir verkaufen keine Layouts A, B oder C. Selbst wenn wir GFK-Yachten bauen, unterscheidet sich jede Yacht von der anderen. Unsere Aufgabe besteht darin, den Familiencharakter und die Wiedererkennbarkeit des Modells zu bewahren, während der Kunde innerhalb dieses Rahmens seine Yacht individuell gestaltet. Genau darin liegt der eigentliche Wert unserer Arbeit.
Es gibt eine natürliche Grenze dafür, wie viel Effizienz sich in einer Italian Yacht Boutique einführen lässt. Jenseits dieses Punktes besteht die Gefahr, Energie in Effizienzsteigerungen zu investieren, die keinen wirklichen Mehrwert schaffen.
PM – Hat sich das Profil des Eigners in den vergangenen Jahren verändert?
GM – Das Durchschnittsalter der Eigner sinkt. Neue Millionäre und Milliardäre sind häufig jünger, auch weil digitale Geschäftsmodelle es ermöglichen, in wesentlich kürzerer Zeit große Vermögen aufzubauen als früher. Doch der Wandel betrifft nicht nur das Alter. Auch der Zugang zum Yachting verändert sich. Die neuen Eigner suchen weniger traditionelle Konzepte und weniger Objekte im eigentlichen Sinne. Sie suchen Erlebnisse – oder besser gesagt: Quality Time. Für uns ist dieser Begriff von zentraler Bedeutung. Wer Entspannung und Geselligkeit sucht, findet sie bei Maiora. Wer Leistung und Adrenalin sucht, findet mit AB Yachts eine andere Form von Quality Time. Die Yacht wird zum Ermöglicher authentischer Momente und nicht lediglich zu einem Transportmittel.
PM – Verändert das auch die Gestaltung der Yachten?
GM – Ganz erheblich. Die Prioritäten verschieben sich hin zu offeneren, stärker vernetzten und flexibleren Räumen. Auch die Exuma 42 entstand aus dieser Überlegung. Der klassische Salon auf dem Hauptdeck wird in vielen Fällen deutlich weniger genutzt, als man vermuten würde. Warum also Raum und Glasflächen opfern, nur um einer Konvention zu folgen?
Wir haben uns entschieden, die Raumaufteilung neu zu denken und sowohl die Eignersuite als auch alle Gästesuiten auf dem Hauptdeck unterzubringen. Gleichzeitig überwinden wir damit auch eine gewisse implizite Hierarchie zwischen den Gästen an Bord. Die Räume sollen gesellig sein, aber nicht starr. Zeitgemäße Geselligkeit ist dynamischer, weniger formell und vielseitiger.
PM – Muss das Design deshalb unverwechselbarer werden?
GM – Ja. Der Kunde sucht heute nicht einfach eine Yachtkategorie, sondern eine Lösung, die seinem jeweiligen Lebensstil entspricht. Und dieser Lebensstil kann sich verändern. Es gibt Eigner, die von AB zu Maiora wechseln – oder umgekehrt –, weil sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedliche Erfahrungen suchen.
Das Design muss unverwechselbar sein und sich von klassischen Mustern lösen, ohne dabei jene Italian Timeless Beauty zu verlieren, die für uns unverzichtbar bleibt. Unser Ziel ist es, Produkte zu schaffen, die einen eigenen ästhetischen Wert besitzen. Nicht nur funktionale Objekte, sondern Yachten, die Identität ausdrücken.
Giorgio Maria Cassetta hat diese Anforderung hervorragend verstanden. Er hat einem komplexen Briefing Gestalt verliehen und dabei eine außergewöhnliche Fähigkeit bewiesen, unsere Vorstellungen sowie die Positionierung des Produkts empathisch zu interpretieren.
PM – Kommen wir zur Künstlichen Intelligenz. Was ist das Next AI-Integrated System?
GM – Es handelt sich um ein multidisziplinäres Projekt, das gemeinsam mit verschiedenen Unternehmen entwickelt wurde, darunter AI Technologies aus Pisa, das zum industriellen Ökosystem derselben Eigentümergruppe gehört und auf lokale Sprachmodelle spezialisiert ist. Die Idee besteht darin, die Yacht mit einem „lokalen Gehirn“ auszustatten.
Heute ist es leicht, über Künstliche Intelligenz zu sprechen. Für uns steht jedoch die Datenkette im Mittelpunkt. Sicherheit und Datenschutz sind inzwischen unverzichtbare Voraussetzungen. Deshalb haben wir ein lokales System entwickelt, das unabhängig vom Internet arbeitet, unter allen Bedingungen funktioniert und die jeweilige Yacht, auf der es installiert ist, bis ins Detail kennt.
Wir haben für das Next AI-Integrated System eine Patentanmeldung eingereicht. Während der Patentprüfung stammten sämtliche Vergleichspatente aus der Automobilindustrie. Das bestätigte uns, dass wir an einer Innovation arbeiten, die weit über den nautischen Bereich hinausreicht.
PM – Was kann das System konkret leisten?
GM – Das System ist vollständig in die Bordsysteme integriert: NMEA-Netzwerk, Gebäudeautomation, Überwachung, Navigation und Kommunikation. Wenn ich die Yacht frage, wie viele Liter Kraftstoff noch an Bord sind, verweist sie mich nicht auf ein Menü oder einen Bildschirm auf der Brücke – sie antwortet direkt. Dadurch verändert sich die Benutzeroberfläche grundlegend. Ich muss mich nicht mehr an einen bestimmten Ort an Bord begeben, um auf Informationen zuzugreifen; ich kann ganz natürlich mit dem System kommunizieren.
Das System enthält außerdem sämtliche Handbücher, unterstützt bei der Fehlersuche, der Steuerung der Bordautomation, der Überwachung der Bordsysteme und der Navigation.
Derzeit erfolgt der Zugriff über die Apps My Maiora und My AB Yachts. Noch in diesem Jahr werden wir auch die Sprachsteuerung einführen – mit Befehlen wie „Hey AB“ oder „Hey Maiora“.
PM – Die eigentliche Innovation scheint jedoch die vorausschauende Wartung zu sein.
GM – Genau. Unser Ziel ist der Übergang von einer reaktiven Service- und Wartungslogik hin zu einer prädiktiven. Heute richtet sich die Wartung einer Yacht – ebenso wie bei einem Auto – nach Betriebsstunden oder Zeitintervallen. Doch nicht jeder nutzt seine Yacht auf dieselbe Weise.
Wenn das System die Yacht kennt und weiß, wie sie genutzt wird, wird es mit der Zeit immer intelligenter. Es kann ungewöhnliche Verbrauchswerte erkennen, Kontrollen empfehlen und die Crew unterstützen, bevor ein Problem kritisch wird. Es wird den Menschen niemals ersetzen, aber ihre Effizienz erheblich steigern.
PM – Wird das System künftig auch mit der Werft oder den Zulieferern kommunizieren können?
GM – In den kommenden Versionen ja. Heute arbeitet das System in erster Linie an Bord, kann jedoch – stets nach ausdrücklicher Zustimmung des Nutzers – in einer hybriden Logik auch mit externen Quellen kommunizieren. Wenn das System auf eine Frage keine Antwort kennt, kann es den Nutzer um Erlaubnis bitten, externe Informationen abzurufen.
Ab 2026 werden alle unsere Yachten serienmäßig mit dem Next AI-Integrated System sowie einer integrierten SIM-Karte ausgestattet sein. Ziel ist es, auf freiwilliger Basis Informationen an die Werft oder an Komponentenhersteller übermitteln zu können – ähnlich wie es heute bei mobilen Endgeräten geschieht, wenn der Nutzer gefragt wird, ob er einen Diagnosebericht senden möchte.
PM – Kommen wir zum Thema Nachhaltigkeit. Wie sinnvoll ist es überhaupt, im Yachting von „Green“ zu sprechen?
GM – Wenn man Nachhaltigkeit ausschließlich auf CO₂-, NOx- oder Treibhausgasemissionen reduziert, greift die Betrachtung zu kurz. Natürlich mag es widersprüchlich erscheinen, bei Yachten mit mehreren tausend PS von Nachhaltigkeit zu sprechen. Das Thema ist jedoch wesentlich umfassender.
Wir betrachten Nachhaltigkeit aus verschiedenen Perspektiven. Der erste Aspekt ist das Gewicht: Eine Gewichtsreduzierung erhöht unmittelbar die Effizienz und senkt damit den Energiebedarf für den Antrieb. Hinzu kommt die hydrodynamische Effizienz: Weniger Widerstand des Rumpfes bedeutet geringeren Verbrauch und bessere Seeeigenschaften.
Darüber hinaus spielen Rumpfbeschichtungen, beispielsweise silikonbasierte Antifouling-Systeme, eine wichtige Rolle. Sie reduzieren den Wasserwiderstand und können gleichzeitig den Einsatz von Bioziden deutlich verringern. Auch das ist Nachhaltigkeit: die Meeresumwelt weniger zu belasten und nicht nur die Emissionen in die Atmosphäre zu reduzieren.
PM – An welchen weiteren Lösungen arbeiten Sie derzeit?
GM – Wir setzen innovative, ultraleichte Verglasungen mit hoher Wärmedämmung ein. Durch ihr geringeres Gewicht wird die Yacht leichter, gleichzeitig reduziert die geringere Wärmeübertragung den Kühlbedarf und ermöglicht kleinere Klimaanlagen mit entsprechend geringerem Energieverbrauch.
Darüber hinaus untersuchen wir alternative Werkstoffe zur klassischen GFK-Bauweise für nichttragende Bauteile, beispielsweise im Außenmobiliar. Auf diese Weise können wir die Nachhaltigkeit verbessern, ohne die strukturellen oder mechanischen Eigenschaften der Yacht zu beeinträchtigen.
PM – Sind Eigner bereit, für solche Lösungen mehr zu bezahlen?
GM – Das Konzept des nachhaltigen Luxus ist inzwischen weitgehend etabliert. Die Eigner schenken diesem Thema große Aufmerksamkeit, auch weil Nachhaltigkeit mittlerweile ein Bestandteil des modernen Luxusverständnisses geworden ist. Dennoch wird bei konkreten Investitionen stets eine Kosten-Nutzen-Abwägung vorgenommen.
Nachhaltigkeit muss auch wirtschaftlich und betrieblich nachhaltig sein. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sie zu Greenwashing oder zu einem bloßen Konferenzthema wird, statt tatsächlich auf einer Yacht anwendbar zu sein.
Ein gutes Beispiel ist Wasserstoff. Für Fähren mit festen Linienverbindungen und einer sicheren Infrastruktur kann diese Technologie sinnvoll sein. Für Privat- oder Charteryachten, deren Eigner hohe Ansprüche haben und deren Fahrgebiete sich ständig ändern, kann die Abhängigkeit von einer Energiequelle, die nicht überall verfügbar ist, hingegen wenig praktikabel sein.
PM – Wenn wir uns in fünf Jahren wieder treffen würden – wo möchten Sie die Next Yacht Group dann sehen?
GM – Im Jahr 2031 würde ich gerne sagen können, dass die Next Yacht Group vom Markt als die führende „100% Italian Yacht Boutique“ wahrgenommen wird. Als Referenz für alle, die kompromisslosen Luxus, Qualität, Technologie und Innovation suchen – vor allem aber für jene, die nach echter Quality Time streben.
Unsere Yachten sollen weder als bloße Transportmittel noch lediglich als „Erlebnisgeneratoren“ verstanden werden – ein Begriff, der inzwischen etwas überstrapaziert ist. Sie sollen vielmehr als echte Ermöglicher authentischer Zeit wahrgenommen werden – Zeit, die der Eigner gemeinsam mit seiner Familie und seinen Gästen bewusst erlebt.
Jede Marke interpretiert diesen Wert auf ihre eigene Weise: AB Yachts für diejenigen, die Adrenalin und Performance suchen; Maiora für jene, die Entspannung und Geselligkeit bevorzugen; Maiora Exuma für Eigner, die auf nichts verzichten möchten.
Wenn wir in fünf Jahren nicht nur für unsere Fähigkeit anerkannt werden, Yachten zu bauen, sondern dafür, wertvolle Zeit zu ermöglichen, dann werden wir unser Ziel erreicht haben.
Dabei dürfen wir jedoch niemals unsere Identität als Boutique verlieren. Denn wahre Exklusivität besteht letztlich nicht darin, von allen gesehen zu werden, sondern von jenen erkannt zu werden, die den Wert authentischer Dinge wirklich zu schätzen wissen.
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