Toby Moore: Die Monaco Yacht Show steht für den neuen Kurs der Superyacht-Branche
Toby Moore: Die Monaco Yacht Show steht für den neuen Kurs der Superyacht-Branche
Die Profile der Eigner verändern sich, die Art und Weise, wie Yachten konzipiert werden, entwickelt sich weiter, und auch die Rolle der wichtigsten internationalen Veranstaltungen für die High-End-Yachtbranche wandelt sich. Dieses Bild zeichnet Toby Moore, CEO von Informa Prestige und Leiter der Monaco Yacht Show, der die Veranstaltung im Fürstentum als den idealen Beobachtungspunkt betrachtet, um die Entwicklung der gesamten Branche zu verstehen.
PressMare - Die Monaco Yacht Show hat in den vergangenen fünfunddreißig Jahren die Entwicklung der Branche aus nächster Nähe verfolgt. Was war die bedeutendste Veränderung?
Toby Moore - Die bedeutendste Veränderung hängt in erster Linie mit der Entwicklung der Branche selbst zusammen. Sie ist heute zu einem globalen Ökosystem geworden, das Werften, Designer, Broker, Finanzberater, Family Offices und eine neue Generation internationaler Unternehmer zusammenführt.
Die zunehmende Größe der Yachten ist zwar von Bedeutung, aber nur in begrenztem Maße. Heute entspricht eine 50-Meter-Yacht der durchschnittlichen Größe der im Hafen von Monaco ausgestellten Yachten, während sie in den 1990er-Jahren noch eine Ausnahme darstellte. Entscheidend sind vielmehr der technologische Fortschritt, die gestiegene Komplexität der Projekte sowie der hohe Grad an Individualisierung, den die Eigner verlangen.

PM - Hat sich auch die Art verändert, wie Menschen ihre Yacht nutzen?
TM - Ganz eindeutig. Die Superyacht ist zu einem Instrument geworden, mit dem man seine Zeit optimal nutzen kann. Privatsphäre, Wohlbefinden, Flexibilität, die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten und Lebensqualität sind heute zentrale Elemente bei der Entwicklung neuer Projekte.
Die Erfahrungen während der Pandemie haben diesen Wandel beschleunigt und viele Eigner dazu veranlasst, ihre Yacht als einen Ort zu betrachten, der Privatleben, Familie und berufliche Tätigkeit miteinander verbindet.
Diese Entwicklung spiegelt sich unmittelbar in den Anforderungen an Werften und Designer wider, die heute immer stärker integrierte Plattformen entwickeln müssen – technologisch hochentwickelt, im täglichen Gebrauch jedoch nahezu unsichtbar.
PM - Auch das Profil der Eigner hat sich grundlegend verändert. Wer sind die Käufer von heute?
TM - Das Durchschnittsalter neuer Eigner ist schrittweise von etwa sechzig auf etwas mehr als vierzig Jahre gesunken. Sie kommen überwiegend aus der Technologiebranche, der digitalen Finanzwelt, der Immobilienwirtschaft und dem internationalen Unternehmertum und bringen einen äußerst analytischen Ansatz bei ihren Investitionen mit.

Sie besuchen die Monaco Yacht Show mit sehr klaren Vorstellungen, kennen den Markt genau, bewerten die technischen Aspekte sorgfältig und verlangen ein Höchstmaß an Individualisierung, um ein wirklich einzigartiges Projekt zu realisieren.
Es überrascht daher nicht, dass das Explorer-Segment heute zu den dynamischsten Bereichen des gesamten Marktes zählt. Die neue Generation von Eignern interessiert sich zunehmend für Langstreckenfahrten und abgelegene Reiseziele – von der Arktis über Patagonien bis in den Südpazifik – und bevorzugt Erlebnisse, die sich kaum wiederholen lassen, gegenüber den traditionellen Revieren des Mittelmeers.
PM - Wie verändert sich vor diesem Hintergrund die Rolle der Monaco Yacht Show?
TM - Heute versteht sich die Messe immer stärker als internationale Plattform, auf der Beziehungen aufgebaut und Strategien entwickelt werden, aus denen in den kommenden Jahren konkrete Projekte entstehen.

Mit mehr als 560 Ausstellern und einer Rückkehrquote von nahezu 90 Prozent bleibt die Messe einer der wichtigsten Treffpunkte der internationalen Yacht- und Superyachtbranche.
Um den Erwartungen eines immer besser informierten Publikums gerecht zu werden, hat die Monaco Yacht Show ihr Angebot um Fachkonferenzen, Round-Table-Diskussionen, Veranstaltungen für Fachbesucher und ein VIP-Programm erweitert, das für
PM - Nachhaltigkeit ist inzwischen auch im Yachtsektor ein zentrales Thema. Wie gehen Sie dieses Thema an?
TM - Mit Blue Wake wollten wir ausschließlich Umweltlösungen hervorheben, die durch überprüfbare Daten belegt sind. Ich bin überzeugt, dass Nachhaltigkeit pragmatisch betrachtet werden muss, indem der gesamte Lebenszyklus einer Yacht bewertet wird und nicht nur einzelne Technologien. Deshalb bringt Blue Wake Werften, Yachtmanagement-Unternehmen, Brokerage-Boutiquen und die gesamte Lieferkette zusammen und erkennt an, wie entscheidend das operative Management für die Verringerung der Umweltbelastung ist.

PM - Ist Monaco weiterhin der internationale Maßstab der Branche?
TM - Ja, denn das Fürstentum vereint auf wenigen Quadratkilometern die gesamte globale Yachtbranche. Hier treffen Werften, Designer, Berater, Broker und alle maßgeblichen Akteure der Industrie zur gleichen Zeit am gleichen Ort zusammen. Das ist ein einzigartiger Wettbewerbsvorteil.
PM - Wie stellen Sie sich die Entwicklung der Branche in den kommenden zehn Jahren vor?
TM - Ich sehe eine Branche, die sich immer stärker auf das Erlebnis konzentriert und Privatsphäre, Freiheit sowie hochwertige Zeit bietet. Auch die Monaco Yacht Show wird sich in diese Richtung weiterentwickeln und zu einer noch selektiveren, spezialisierteren Veranstaltung werden, die eng mit der Welt des erlebnisorientierten Luxus verbunden ist. Denn letztlich wird der wahre Luxus der Zukunft darin bestehen, die eigene Zeit bestmöglich zu nutzen.
Rebecca Gabbi
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