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Design bis ins Detail

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Design bis ins Detail

Regelmässig stellen wir in WAVE international bekannte Yachtdesigner vor. Aber warum denn immer in die Ferne schweifen? Es gibt auch hierzulande gestandene Yachtarchitekten. Einer von denen, die lieber an Kundenprojekten als am Designer-Ego arbeiten, ist Davide Leone. Still und leise kann er bald sein 10-jähriges Firmenjubiläum feiern. Und sein Portfolio kann sich sehen lassen…

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Davide Leone sagt von sich selbst, dass er gut zuhören kann. „Ich arbeite ja im Kundenauftrag, also muss ich voll und ganz verstehen, was der Auftraggeber möchte,“ sagt der im Tessin wohnhafte Yachtingenieur. „Viele Desig- ner wollen lieber ihre eigene Designidee oder ihr Konzept verkaufen und setzen sich gerne übers Briefing hinweg.“ Zuhören bevor die Beratung einsetzt – da kommt ihm vielleicht auch sein Psychologiestudium zu Gute, das er noch vor seiner Ausbildung zum „Ingegnere Navale“ abschloss. An der Universität von Genua holte er 2007 sein Diplom mit Höchst-noten mitsamt magna cum laude. Während seiner Studienzeit absolvierte er dank einem Wettbewerbs-Stipendium ein Werftpraktikum bei Nautor’s Swan in Finnland. 

Seine Diplomarbeit war ein Offshore Regatta-Trimaran, ganz seinem jugendlichen Elan entsprechend voll auf Race und Performance getrimmt, mit viel Carbon und HiTech. Der Start ins Berufsleben war dann etwas gemächlicher. Auf frischgebackene Yachtdesigner wartete in Italien niemand und sein Beziehungsnetz war noch nicht so breit angelegt. Eher zufällig landete er als “Head of technical office” bei Blu Martin, einer Werft in der Nähe von Como. Das bedeutete auf einen Schlag volles Eintauchen in die Arbeitswelt, in das richtige Leben als Dreh- und Angelpunkt zwischen Planung, Produktion, Budget, Arbeitern, Qualitäts-check – und das alles unter Zeitdruck. 

Nach drei Jahren macht er sich mit dieser wertvollen Erfahrung selbständig und findet schon bald einen ersten Auftraggeber: eine Firma für Aluverarbeitung, die jedoch noch nie ein Boot gebaut hatte. Doch die Zusammenarbeit klappte bestens und das Yachtprojekt war die erste richtige Referenz in Leones Portfolio. 

Der Liebe wegen zog es ihn ins Tessin. Im Sonnenkanton hatte Ing. Eugenio Wolk von Crown Services ein offenes Ohr und Bedarf für einen begabten Problemlöser. Zusammen entwickelten sie die Crown Marine Linie, 100% Custom Made Arbeitsboote für Polizei, Rettung und Feuerwehr. Die extrem seetüchtigen und robusten Arbeitsschiffe, die prinzipiell aus Marine-Aluminium hergestellt werden (aber auch aus GFK-Laminat bestehen können), waren in erster Linie kundenspezifische Praxislösungen. Dank Leones Händchen für gutes Design bekam die Funktion jeweils auch die passende Form.

So richtig Designer durfte er für Walter Thoma sein, der bei ihm die bekannten Thoma Tender T1 und T2 in Auftrag gab. In Zusammenarbeit mit    Mathias Ganz lieferte Leone Yachtdesign auch die nötigen Pläne für die Ovation Linie mit den Modellen 7.6 und 7.6 Open. Die Auszeichnungen des European Product Designs und des German Design Awards sprechen für sich… und für das hohe Level des vielseitigen Yachtarchitekten. Auch in der neusten Hybridversion Shortbreak 5.8 von Ganz Yachts erkennt man Leones Handschrift. Und so ganz nebenbei entwarf Leone noch einen Trimaran mit einklappbaren Schwimmern als Selbstbaukit.

An der Aufgabe wachsen Für Leone steht die Kundenzufriedenheit an oberster Stelle, auch wenn es auf dem Weg zur besten Lösung ein paar Knackpunkte geben sollte. Im Gegenteil, seinen Erfahrungsschatz hat er durch verschiedenste Herausforderungen vergrössert. Indem er Problemen nicht aus dem Weg, sondern auf den Grund ging, konnte er sein Spezialwissen immer weiter vertiefen.

So kam es zur Zusammenarbeit mit weiteren hochkarätigen Marken. Beim futuristischen Silver Arrow kümmerte sich Leone im Auftrag der deutschen Firma Wolz um den  Innenausbau des Silberflitzers von Mercedes/Arrow Marine. 

Auch bei der Del Pardo Werft wurde man auf den Mann mit der stillen, aber höchst effektiven Arbeitsweise aufmerksam. Einmal pro Woche ist Leone in der Grand Soleil Werft in Forlì und verfolgt die Umsetzung seiner Pläne. Nach der GS 42 und 48 kümmert er sich auch um die Motor-linie der Pardo Yachts. Ein weiteres Projekt, das soeben auf Kiel gelegt wurde, ist eine Explorer Alu-Segelyacht von 16.3 Metern. Voll Custom Made, eine wahre One Off Kreation für ein anspruchsvolles Eignerpaar, das viele eigene Ideen ins Konzept einbrachte. Leone hat den Ehrgeiz, sämtliche Wünsche der erfahrenen Segler zu berücksichtigen. Und dies auch zur vollsten Zufriedenheit.

Für den Fall, dass er einmal nicht weiter weiss, hat Leone bereits vorgesorgt. Er ist Partner von Leading Edge, einem Competence Center in Rotterdam für anspruchvolle Serviceleistungen rund um Projektierung und Analyse von nautischen Spezialanwendungen. 

Ob es um CFD-Strömungsanalysen oder um FEM (Finite Element Methode) Berechnungen geht, mit denen sich das Strukturverhalten von Bauteilen hinsichtlich Mechanik, Thermik oder Strömung besser vorhersagen, bewerten und optimieren lassen – hier werden sie geholfen. Konnte sich früher nur die Luftfahrt- und Automobilindustrie einen solchen Entwicklungsaufwand leisten, stehen diese Möglichkeiten heute auch der nautischen Branche zur Verfügung. Dank hohen Rechnerleistungen, die auf Cloud-Computersystemen eingekauft werden, bleiben auch komplexe Aufgaben erschwinglich.

Als Praxisbeispiel legt Leone die Realisierung durch Crown Services eines höchst speziellen Polizeibootes im Wallis auf den Tisch. Das vorgesehene Einsatzgebiet auf der Rhône mit viel Sand- und Steinfracht ergab einen Jetantrieb als bestmögliche Lösung. Leone schlug ein ausgeklügeltes Netz von Kühlrohren im Bootsboden vor. War die Motorkühlung auf dem kalten Fluss kein Problem, so stand ein grosses Fragezeichen bei der Kühlung auf dem sommerwarmen Genfersee.  Konnte es funktionieren? Konnte man genügend Kühlleistung generieren? Sein Partner von Leading Edge analysierte die Motordaten und die Wärmeverteilung und gab schliesslich grünes Licht. Das Prinzip erwies sich als effizient, seit zwei Jahren versieht der futuristische Polizeijet tadellos seinen Dienst.

Und Leone? Der ist bereit für neue Taten…

www.leoneyachtdesign.ch

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