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Interboot: Wassersportboom trotz Corona-Pandemie

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Insgesamt rund 200 Unternehmen werden in sechs Messehallen vertreten sein.

Der Wassersport in Deutschland, Österreich und der Schweiz boomt wie selten zuvor. Ungeachtet der anhaltenden Corona-Krise verzeichnet die Branche vom SUP-Board bis zur Segel- und Motoryacht starke Zuwachsraten. Drohte manchem Betrieb Ende April durch den Lockdown noch die Insolvenz, haben die Sommermonate den Ausfall inzwischen vielerorts mehr als wettgemacht. „Die zu unserer Sonderausgabe angemeldeten Aussteller kommen mit viel Rückenwind nach Friedrichshafen“, bestätigt Interboot-Projektleiter Dirk Kreidenweiß. Insgesamt rund 200 Unternehmen werden in sechs Messehallen vertreten sein. Die Messe öffnet am Samstag, 19. September für neun Tage jeweils von 10 bis 18 Uhr ihre Tore, allerdings nur für Besucher, die sich vorab online registriert und eine Eintrittskarte gekauft haben.

Beispielhaft für den Run auf die einheimischen Reviere ist die enorme Nachfrage nach dem Bodenseeschifferpatent. „Wir kommen schon gar nicht mehr dazu, die Statistiken aktuell exakt zu führen, aber es sind sicher 30 Prozent mehr Prüfungen als sonst im Hochsommer“, berichtet Claudia Bucher vom Landratsamt Bodenseekreis. Seit Mitte Juli werden zweimal pro Woche jeweils 90 theoretische und mehr als 100 praktische Prüfungen abgenommen. Freie Termine gebe es erst im Herbst wieder. „Auch bei den Neuzulassungen von Booten erleben wir einen sehr großen Ansturm“, so Claudia Bucher weiter, „und wöchentlich fragen rund 100 Urlauber an, die ihr Boot mit zum Bodensee nehmen wollen.“

Entsprechend gut belegt sind die Häfen am Bodensee, nachdem zu Ostern bei Traumwetter noch gähnende Leere herrschte. „Seit Juli können wir in Kressbronn nur noch vereinzelten Tagesgästen einen Liegeplatz anbieten“, bestätigt Clemens Meichle, Geschäftsführer von Ultramarin Meichle + Mohr, „und mit der Nachfrage hat auch der Bootsverkauf merklich angezogen.“ Das Interesse betreffe alle Größen, wobei Ultramarin überwiegend neue wie gebrauchte Segelyachten vorrangig zwischen 34 und 42 Fuß (bis 13 Meter) Länge anbietet. Er fügt hinzu: „Einige Werften, wie zum Beispiel Bavaria, können in diesem Jahr gar nicht mehr liefern. Da reicht die Auftragsliste schon bis 2021.“ Auf der Interboot wird sich Ultramarin aus Kressbronn mit der Ultramarin World an einem kompakten Großstand präsentieren, der die gesamte Angebotspalette abdeckt. Boote, Segel und Zubehör werden aufgrund des erhöhten Aufwands zur Einhaltung des Sicherheits- und Hygienekonzepts auch für das Personal der Aussteller gebündelt.
Mit dabei soll auch eine Bente 24 sein, nachdem Ultramarin die trotz reger Nachfrage in wirtschaftliche Schieflage geratene Bente-Werft übernommen und seit Mitte Mai sechs Segelboote fertiggebaut hat. „Wir sind von dem Konzept des preisgünstigen Daysailors überzeugt und blicken zuversichtlich in den Herbst“, so Clemens Meichle.
Zu den Profiteuren der jüngeren Entwicklung gehört auch Europe Marine aus Budenheim bei Mainz, die am Rhein Motorboote sowohl bauen als auch importieren. „Das Vertrauen in deutsche Produkte ist erheblich gestiegen“, erklärt Geschäftsleiter Peter Nürnberger. Die 1999 selbst aufgelegte Viper-Serie sei so gut vorbestellt wie noch nie und einzelne Modelle seien erst im Frühsommer 2021 wieder lieferbar. Aber auch die preiswerte Einstiegsmarke Auster, für die ausreichend Rumpfschalen in Polen vorgefertigt sind, erfreue sich großer Beliebtheit. Beide werden mit allen, insgesamt 13 Modellen auf der Interboot zu sehen sein. Europe Marine will etwa 20 verschiedene Boote auf 650 Quadratmeter Standfläche zeigen – 20 Quadratmeter mehr als im Vorjahr. Darunter ist auch die 2020er-Weltpremiere Quicksilver 675 Weekend angekündigt, ein knapp sieben Meter langes, trailerbares Motorboot mit festem Dach und Schiebetür. „Die Besucher haben ein komplettes Engagement der Aussteller verdient“, sagt Peter Nürnberger, „wir erwarten eine fachspezifische Messe und blicken dieser ausgesprochen positiv entgegen.“

Ähnlich optimistisch scheint die Stimmung in den Nachbarländern Österreich und Schweiz. „Die Anzahl der Neubootverkäufe ist rekordverdächtig, der jahrelang überschwemmte Gebrauchtbootmarkt hat sich umgekehrt, und die Fahrschulen sind ausgebucht“, berichtet der Geschäftsführer des Schweizerischen Bootsbauer-Verbands, Vinzenz Batt, „bei vielen dürfte die Corona-Delle bereits mehr als ausgeglichen sein.“ Das europaweit agierende Handelsportal Boat24.com aus Zürich registrierte 120 Prozent mehr Anfragen als 2019. Der durch die Reise- und damit Urlaubsbeschränkungen entstandene Drang nach individueller Freiheit auf dem Wasser spiegelt sich auch im Funsport stark wider. Drohte im Frühjahr zunächst ein Totalausfall der Saison, ist das Stand-Up-Paddeln (SUP) als Breitensport inzwischen nicht nur etabliert, sondern befindet sich in einem nie dagewesenen Boom. „Ende April standen wir haarscharf vor der Insolvenz“, erklärt Bernd Flügel, Chef von Water Colors aus Hof (Saale), zu denen auch die Marke F2 gehört, „niemand wollte uns Ware abnehmen.“ Inzwischen seien SUP-Boards so rar, dass Familien von München bis nach Hof fahren, um überhaupt ein Brett zu ergattern. „Manche Händler haben das Vierfache mehr vorgeordert“, so der Experte, ein kleinerer aus Schweinfurt statt sonst 30 bis 40 jetzt sogar 300. Der gute Verkauf werde über das Saisonende hinaus bis Weihnachten anhalten, rechnet die gesamte Branche. Nach 65.000 verkauften F2-Boards im Vorjahr war die Prognose auf 70.000 angehoben worden. Um die rapide gestiegene Nachfrage zu befriedigen, wurden aus den sieben Produktionsstätten in China allein 16 Container per Luftfracht eingeflogen. Bernd Flügel erklärt: „Jetzt werden es 120.000 Boards und das beste Geschäftsjahr zeichnet sich ab.“

Allerdings mahnte er auch, nicht nur euphorisch zu sein. Der Wintersport und der Absatz von Snowboards zum Beispiel werde voraussichtlich stark einbrechen. Auf der Messe ist Water Colors mit drei Ständen präsent. „Die Interboot hat eine große Berechtigung, denn wir wollen in einem breiten Spektrum einige Produktneuheiten vorstellen“, bekräftigt Bernd Flügel. Im Trend lägen aufblasbare Bodyboards mit denen auf dem Bauch liegend, die Wellen heruntergesurft werden. Außerdem wird ein Wingsurfer zu sehen sein, eine Art Drachen, ebenfalls aufblasbar, die mit einer Größe zwischen drei und sieben Quadratmetern bei leichtester Brise für Vortrieb auf dem Brett sorgen. Darüber hinaus präsentiert das Unternehmen einen elektrischen Kleinstmotor auf dem SUP.

Die Interboot präsentiert von Samstag, 19. bis Sonntag, 27. September täglich von 10 bis 18 Uhr die Welt des Wassersports. Tagesdatierte Tickets sind ausschließlich online erhältlich. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.interboot.de, www.facebook.de/interboot, www.instagram.com/interboot.friedrichshafen und #interboot.

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