Andy Bianchedi an Bord seiner S/Y Red Dragon, ein Entwurf von Dubois, 2008 von Alloy Yachts zu Wasser gelassen – Foto: ©Pressmare.it
Andy Bianchedi: vom 12-Meter-Weltmeistertitel mit KZ-5 zur Weltumsegelung auf Red Dragon
In Imperia sicherte sich KZ-5 den Weltmeistertitel der 12-Meter-Klasse in der Grand-Prix-Division bereits zwei Wettfahrten vor Schluss. Für Eigner Andrea „Andy“ Bianchedi ist der Erfolg das Ergebnis eines Projekts, das mit einem Foto in einem Restaurant in Newport begann und sich um eine Gruppe von Seglern entwickelte, mit denen er nicht nur Regatten, sondern auch Freundschaft teilt. Er empfängt uns an Bord seiner Red Dragon, die direkt neben dem 12-Meter liegt. Die 52 Meter lange Segelyacht wurde von Ed Dubois entworfen und 2008 von Alloy Yachts zu Wasser gelassen; mit ihr bereitet sich Bianchedi auf eine Weltumsegelung vor. Zwei sehr unterschiedliche Yachten, verbunden durch dieselbe Haltung zum Segeln: Linien zu wählen, die ihn berühren, mit Menschen zu segeln, mit denen er sich wohlfühlt, und das Ergebnis aus der gemeinsamen Arbeit entstehen zu lassen.
Pressmare: Herr Bianchedi, Sie haben sich als Andy vorgestellt. Dürfen wir Sie so nennen?
Andy Bianchedi: „Alle nennen mich Andy, seit ich ein Junge war. Meine Mutter war Niederländerin, und meine Erziehung war stark angelsächsisch geprägt. Sie hat damit angefangen, mich Andy zu nennen, und dabei ist es geblieben: Selbst auf meinen Visitenkarten steht Andy.“
Beginnen wir mit KZ-5: Sie haben die Weltmeisterschaft bereits zwei Wettfahrten vor Schluss gewonnen. Hatten Sie damit gerechnet?
„Nein, überhaupt nicht. Auch die Jungs haben nicht damit gerechnet. Wir haben gut gearbeitet, mussten aber erst noch herausfinden, wo wir im Vergleich zu den anderen stehen. Das Boot läuft sehr gut, und wir haben ein Ergebnis erreicht, das mich unglaublich glücklich macht. Das Projekt begann vor drei Jahren und hat sich Schritt für Schritt entwickelt. Bei der ersten Teilnahme gleich die Weltmeisterschaft zu gewinnen, ist wirklich das Größte.“
Wie fing diese Geschichte an?
„Ich suchte eine klassische Regattayacht, weil ich mit dem 6-Meter Dan unglaublich viel Spaß hatte. Ich war in Newport beim Invitational Cup des New York Yacht Club, den wir auf den IC37-Einheitsbooten mit dem Team des Yacht Club Italiano segelten (ich bin auch Mitglied des New York Yacht Club, fügt er hinzu; Anm. d. Red.). Eines Abends saß ich beim Dinner im Clarke Cooke House – einem bei Seglern sehr beliebten Lokal – und sah beim Umdrehen ein Foto von KZ-5 mit der Aufschrift ‚World Champion 2019‘. Ich fragte, ob das Boot vielleicht zum Verkauf stehe. Wir erkundigten uns und stellten fest, dass es tatsächlich dort in Newport in einer Halle stand. Also gingen wir es uns ansehen.“
War dieses Foto der entscheidende Moment?
„Ja, es war Liebe auf den ersten Blick, nichts daran war geplant. Ich hatte auch French Kiss in Saint-Tropez gesehen und sie gefiel mir sehr. Man hatte mir erklärt, dass 12-Meter-Yachten anspruchsvolle, aber sehr unterhaltsame Boote sind und dass es eine aktive Klasse sowohl in Europa als auch in den USA gibt. Ich kaufe Boote, wenn mir ihre Linien gefallen: Sie müssen auf dem Wasser schön aussehen.“
Spielte es bei Ihrer Entscheidung eine Rolle, dass KZ-5 aus GFK gebaut ist?
„Mich faszinierte, dass sie zu den Booten gehörte, die den Übergang von Aluminium zu GFK markierten. Ausschlaggebend war aber tatsächlich dieses Foto im Clarke Cooke House in Newport.“
Wie haben Sie das Boot vom Kauf bis zur Weltmeisterschaft vorbereitet?
„Wir brachten es nach Italien und ließen bei Sangiorgio Marine von Edo Bianchi in Genua Arbeiten durchführen. Dann kamen die neuen Segel von Guido Cavalazzi, und bei Les Voiles de Saint-Tropez wollten wir sehen, wo wir im Vergleich stehen. Dan war ebenfalls dort, wir waren also mit zwei Booten vertreten. Als sich die Gelegenheit zur Weltmeisterschaft in Imperia bot, sagten wir: Wir machen mit – wohl wissend, dass starke Gegner warten würden, allen voran Kookaburra II. Dass wir zwei Wettfahrten vor Schluss gewinnen würden, hätten wir sicher nicht erwartet.“
An Bord segelt eine Gruppe, die Sie seit Langem kennen. Wie wichtig ist diese Beziehung?
„Wenn ich mir etwas zugutehalten darf, dann, dass es mir gelungen ist, eine gute Gruppe aufzubauen, mit einer entspannten Atmosphäre an Bord und vor allem auch an Land. Es sind alles Freunde, Menschen, mit denen ich viel gesegelt bin: auf der ClubSwan 50 und auf der Swan 98 Drifter Cube, mit der wir an der Giraglia und an der St. Barths Bucket teilgenommen haben. Ich esse mit ihnen zu Abend, verbringe Zeit mit ihnen, habe Spaß. Wir sehen uns auch außerhalb der Saison; ich organisiere Gelegenheiten, bei denen wir zusammenkommen, und fast alle sind dabei. So bleiben wir in Kontakt – weit über die Regatten hinaus.“
Wie entsteht eine Crew mit einem solchen Zusammenhalt?
„Mir ist sehr wichtig, dass die Gruppe eng zusammensteht und die Menschen sich wohlfühlen. Segeln ist für mich Freizeit: Ich werde nicht wütend, wenn das Ergebnis ausbleibt; das Erlebnis ist mir wichtiger. Wenn sich eine Chance bietet, greifen wir an, aber Gewinnen war nie mein Hauptziel. Das bedeutet nicht, dass wir die Dinge nicht richtig machen. Es bedeutet, ihnen die nötige Zeit zu geben, ohne unnötige Spannungen und ohne ständig nach einem Schuldigen zu suchen.“
Und trotzdem kam der Erfolg…
„Und das ist ein unglaubliches Gefühl. Zuerst einmal freue ich mich riesig für die Jungs. Ich bin gern dabei, ich mag dieses Umfeld. Wie ich immer sage: Es ist besser, hier zu sein als im Büro. Gewinnen ist das Sahnehäubchen. Im Segelsport braucht man ein bestimmtes Fundament, aber dann zählen Vorbereitung, Glück und manchmal auch Pech. Man kann lauter Champions an Bord haben; wenn sie sich nicht verstehen und die richtige Atmosphäre fehlt, läuft das Boot nicht. Ich freue mich, dass unsere Art, die Dinge anzugehen, zu diesem Ergebnis geführt hat.“
Ihre Leidenschaft fürs Segeln war lange unterbrochen. Wie sind Sie zum Segeln zurückgekehrt?
„Als Junge segelte ich Optimist, später Flying Junior. Mit achtzehn hörte ich auf und berührte sehr lange kein Boot mehr. Eines Tages blätterte ich in einer Zeitschrift und sah die ClubSwan 50, die zum 50-jährigen Jubiläum von Swan entstanden war. Ich kannte Leonardo Ferragamo, damals noch nicht so gut, und fuhr zu ihm nach Florenz. Ich sah das Boot und unterschrieb sofort. Etwa eineinhalb Jahre später wurde es ausgeliefert, und wir begannen Regatten zu segeln. Ich war auch lange Zeit Präsident der Klasse. Von dort aus ist die ganze Leidenschaft wieder entstanden.“
Sie kamen aus dem Jollensegeln. Wie haben Sie sich auf diesen Wiedereinstieg vorbereitet?
„Als ich die CS50 bestellte, sagte ich mir, dass ich mich an ein Steuerrad gewöhnen musste – bis dahin war ich nur auf Jollen gesegelt. Beim Yacht Club Italiano riet man mir, Pietro D’Alì anzurufen. Ich fragte ihn, ob wir an ein paar Tagen unter der Woche rausfahren könnten, auch im Winter. Ich charterte eine First 40.7, und wir gingen mit Pietro und zwei weiteren Leuten segeln. Er wollte nie zurück in den Hafen: ‚Bleiben wir noch ein bisschen draußen…‘. Nach vier Stunden war ich völlig erledigt! Pietro ist wirklich seit dem Anfang dieses Weges bei mir.“
Danach kam der 6-Meter. Was hat Sie daran begeistert?
„Giorgio Passarella hatte ein Boot entdeckt, das in einer Werft lag. Wir kauften es, ließen es von Lavazza am Lago Maggiore restaurieren und begannen Regatten zu segeln, vor allem bei Les Voiles d’Antibes, wo wir dreimal gewonnen haben. Wir hatten sehr viel Spaß und auch dort nicht mit diesen Ergebnissen gerechnet. Das Boot ist unglaublich schnell, und auf dem 6-Meter bin ich Teil der Crew.“
Welche Position segeln Sie?
„Ich bediene die Backstagen. Ich steuere nicht gern, weil ich die Regatta auch beobachten möchte. Ich bin hinten bei den Backstagen, arbeite dort und stecke, wenn gerade nichts zu tun ist, gelegentlich den Kopf raus, um zu sehen, was passiert.“
Auf KZ-5 haben Sie bislang lieber der Crew den Vortritt gelassen. Werden Sie selbst an Bord gehen?
„Ja, ich denke schon – natürlich in meiner Lieblingsposition: achtern an den Backstagen, nicht am Ruder. Bisher habe ich mich noch nicht bereit gefühlt. Auf einem 12-Meter ist das körperlich sehr anstrengend, man muss ordentlich ziehen. Aber es geht – immer noch besser als am Grinder.“
An welchen Seglern, mit denen Sie selbst gesegelt sind, orientieren Sie sich?
„Ich habe nicht den seglerischen Hintergrund, um ein fernes Idol zu nennen – vielleicht jemanden, den ich nie kennengelernt habe. Für mich zählen die Menschen, mit denen ich selbst gesegelt bin. Mauro Pelaschier zum Beispiel: ein großartiger Segler und ein sympathischer Mensch. Dann Tiziano Nava, mit dem ich regelmäßig segle, und Flavio Favini, der Taktiker auf KZ-5. Und Pietro D’Alì: Er ist nicht nur Segler, sondern ein hervorragender Seemann, einer von denen, die ich gern an meiner Seite hätte, wenn ich in schwierige Bedingungen geraten würde.“
Für Nava hatte die Rückkehr auf einen 12-Meter auch eine besondere Bedeutung…
„Als ich ihn bat, nach Newport zu fliegen und sich KZ-5 anzusehen, war er bewegt. Er sagte sofort, dass er fahren würde. Nach seiner Zeit auf Azzurra vor vierzig Jahren wieder auf einem 12-Meter zu stehen, hatte für ihn eine besondere Bedeutung.“
Was suchen Sie bei klassischen Yachten?
„Die Linien. Es gibt sehr schöne moderne Boote, aber generell mag ich es nicht, wenn eine schöne Linie geopfert wird, um mehr Raum zu schaffen. Für mich gilt: Wer mehr Platz will, muss das Boot länger machen; sonst besteht die Gefahr, dass es plump wirkt. Klassische, schlanke Yachten haben mir immer gefallen. Ich liebe auch die hölzernen Yachten der 1920er- und 1930er-Jahre. Manchmal müssen sie mich bremsen.“
Gibt es ein Boot, von dem Sie träumen?
„Eine J Class. Für mich ist sie die schönste Yacht der Welt. Aber das ist ein großes Engagement, finanziell wie zeitlich. Und ich segle gern weiter mit denselben Leuten, die alle ein gewisses Alter haben. Ich weiß nicht – vielleicht bleibt es ein Traum.“
Inzwischen sitzen wir an Bord von Red Dragon, einer 52-Meter-Yacht mit einem sehr konkreten Programm: einer Weltumsegelung.
„Ich habe sie vor etwa zwei Jahren genau mit diesem Ziel gekauft. Wir starten im November, die Passage durch den Panamakanal ist für März 2027 geplant. Danach geht es zu den Galápagos. Ich werde nicht die ganze Zeit an Bord bleiben können: Ich werde zwischendurch von Bord gehen und später wieder zusteigen. Wir wollen die Reise in Ruhe machen, und für die Zeiten, in denen ich nicht an Bord bin, haben wir auch ein Charterprogramm vorgesehen.“
Erlaubt die Masthöhe die Passage durch den Panamakanal?
„Ja, wir haben rund anderthalb Meter Reserve. Das ist nicht viel, aber die Yacht ist schon einmal durchgefahren, also wissen wir, dass es funktioniert.“
Wer unterstützt Sie bei der Organisation dieser Programme?
„Seit Jahren begleitet mich Giorgio Passarella mit seiner Super Yacht Solutions in Monaco. Gemeinsam haben wir all diese Projekte aufgebaut: von der ClubSwan 50 über den 6-Meter bis zum 12-Meter, den wir in Newport gefunden haben, und dem Programm mit Red Dragon. Diesen Weg haben wir gemeinsam entwickelt.“
Suchten Sie bei Red Dragon nach einer bereits vorhandenen Yacht, oder hatten Sie auch einen Neubau erwogen?
„Ich hatte einen Neubau erwogen. Ich bin Nautor Swan sehr verbunden und hatte begonnen, die 128 mitzuentwickeln; Baunummer eins hätte meine werden sollen. Dann wurde mir klar, dass ich für die Art von Reisen, die ich machen wollte, eine noch komfortablere Yacht suchte. Ich stellte auch die Entscheidung für Carbon und für ein Boot infrage, das zwischen Cruising und Racing angesiedelt ist. Das sind wunderschöne Yachten, aber ich mache damit Urlaub und suchte etwas anderes – auch beim Verhalten am Wind.“
Hatten Sie auch Aluminium in Betracht gezogen?
„Ja. Mit Massimo Perotti hatte ich über einen Neubau aus Aluminium gesprochen. Aber neben den Kosten spielte auch die Zeit eine Rolle. Ein Neubau kann drei oder vier Jahre dauern, danach kommt die Erprobung und Feinabstimmung; solche Yachten sind komplex. Ich wollte früher los als erst in vier oder fünf Jahren. Red Dragon war bereits einsatzbereit, mir gefielen ihre Linien, und ich hatte die Yachten von Alloy Yachts immer bewundert. Ich wollte nicht der erste Eigner eines völlig neuen Projekts sein.“
Woher stammt der Name Drifter, den Sie für Ihre Boote verwendet haben?
„Von meiner Mutter. Auch meine Holdinggesellschaften heißen so. Sie hatte ihr Boot Drifter genannt, inspiriert von dem Lied aus dem Film ‚Frühstück bei Tiffany‘ und dem Bild von zwei Seelen, die ohne Ziel treiben – im schönen Sinn dieses Ausdrucks. Am Ende kommt also auch das von ihr.“
Was hat Ihnen diese Rückkehr zum Segeln gegeben?
„Es ist eine wiederentdeckte Leidenschaft; sie hat mich nicht mein ganzes Leben ohne Unterbrechung begleitet. Ich habe eine Welt voller begeisterter und sympathischer Menschen entdeckt. Es ist schwer, einen unsympathischen Segler zu finden.“
Giuliano Luzzatto
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