Constance Brément: Das Cannes Yachting Festival entwickelt sich weiter, ohne seine Identität zu verlieren

08/07/2026 - 12:00 in Editorial by Press Mare

Nach ihrer Nachfolge von Sylvie Ernoult als Direktorin des Cannes Yachting Festival steht Constance Brément vor ihrer ersten Ausgabe an der Spitze der führenden In-Water-Bootsmesse Europas. Nachdem sie ein Jahr lang eng mit ihrer Vorgängerin zusammengearbeitet hat, verbindet Brément Kontinuität mit einer klaren Vision: die Identität des Festivals zu bewahren und es gleichzeitig im Einklang mit einem sich wandelnden Markt, neuen Technologien und einer neuen Generation von Wassersportlern weiterzuentwickeln.

PressMare - Sie haben ein ganzes Jahr lang mit Sylvie Ernoult zusammengearbeitet, bevor Sie die Leitung übernommen haben. Was hat Ihnen dieser Übergang vermittelt und was möchten Sie selbst in das Festival einbringen?

Constance Brément: Es war eine außergewöhnliche Gelegenheit, denn es ist ziemlich selten, ein ganzes Jahr lang an der Seite einer Person arbeiten zu können, bevor man die Verantwortung für eine so komplexe Veranstaltung übernimmt. Da ich von der Ausstellerseite der Branche komme, kannte ich den Markt bereits gut. Die Organisation einer internationalen Messe wie des Cannes Yachting Festival ist jedoch etwas völlig anderes.

Sylvie hat mir ein enormes Wissen sowohl über die Veranstaltung selbst als auch über ihr gesamtes Umfeld vermittelt. Man arbeitet mit der Stadt, den Ausstellern, den Dienstleistern, den Institutionen und unzähligen weiteren Beteiligten zusammen. Zu lernen, wie man diese Komplexität steuert, war von unschätzbarem Wert.

Eine der wichtigsten Lektionen, die ich von ihr gelernt habe, ist Entschlossenheit. Wenn sie von etwas überzeugt war, gab sie nicht auf, bevor sie ihr Ziel erreicht hatte. Diese Beharrlichkeit ist unverzichtbar, wenn man so viele Partner koordinieren muss.

Da sie mich während dieses Übergangsjahres allen wichtigen Ansprechpartnern vorgestellt hat, konnte ich frühzeitig Vertrauen aufbauen. Dadurch verlief die Übergabe der Verantwortung bemerkenswert reibungslos.

PM - Hat sich Ihre Vision für das Festival verändert, seit Sie die Leitung übernommen haben?

CB - Ich gehöre nicht zu den Menschen, die Veränderungen um ihrer selbst willen anstreben.

Im nächsten Jahr feiert das Cannes Yachting Festival sein 50-jähriges Jubiläum. Die Veranstaltung existierte lange vor mir und wird auch lange nach mir bestehen. Deshalb sehe ich keinen Sinn darin, sie neu zu erfinden. Mein Ziel ist es vielmehr, das zu bewahren, was sie einzigartig macht, und sie gleichzeitig kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Natürlich müssen wir uns anpassen. Die Besucher verändern sich, die Technologien entwickeln sich weiter und auch die Aussteller verändern sich. Doch das Festival besitzt bereits eine sehr starke Identität. Unsere Aufgabe besteht darin, dieser Persönlichkeit treu zu bleiben und das Besuchererlebnis kontinuierlich zu verbessern.

PM - Der Bootsmarkt hatte in den vergangenen Jahren mit wirtschaftlichen Herausforderungen zu kämpfen. Wie reagieren das Festival und die Branche darauf?

CB - Der Markt ist heute zweifellos anspruchsvoller, insbesondere im Segment der mittelgroßen Boote.

Die Hersteller verzeichnen langsamere Verkaufszahlen, vor allem bei Segelyachten sowie Motorbooten zwischen acht und zwölf Metern Länge. Auch der Lagerumschlag dauert inzwischen länger als früher.

Gleichzeitig hat sich das Segment der größeren Yachten vergleichsweise widerstandsfähig gezeigt. Die Kundschaft, die diese Boote kauft, ist von der wirtschaftlichen Situation nicht in gleichem Maße betroffen, sodass sich dieser Marktbereich weiterhin positiv entwickelt.

Interessant ist vor allem, wie sich die Werften anpassen. Anstatt sich ausschließlich auf den Besitz eines Bootes zu konzentrieren, entwickeln sie neue Möglichkeiten, Menschen den Zugang zum Wassersport zu eröffnen.

Wir beobachten ein wachsendes Interesse an Modellen wie Miteigentum, Boat Clubs und mitgliedschaftsbasierten Nutzungskonzepten. Diese Lösungen senken die Einstiegshürde und erschließen neue Zielgruppen für den Wassersport.

PM - Welche Innovationen werden den Besuchern Ihrer Meinung nach in diesem Jahr besonders auffallen?

CB - Technologie macht den Wassersport einfacher, sicherer und effizienter.

Eine der spannendsten Entwicklungen ist die Einführung der Foiling-Technologie im Freizeitbootsport. Bis vor kurzem waren Tragflügel vor allem mit dem Regattasport verbunden, doch inzwischen halten sie zunehmend Einzug in Freizeitboote.

Gleichzeitig entwickeln sich die Bordsysteme kontinuierlich weiter. Joystick-Steuerungen, Anlegekameras und intelligente Navigationsassistenzsysteme werden immer leistungsfähiger und ausgefeilter.

Auch die Künstliche Intelligenz beginnt zunehmend eine Rolle zu spielen. Hersteller entwickeln beispielsweise KI-gestützte Systeme, die den Kraftstoff- oder Energieverbrauch optimieren, die Navigation effizienter gestalten und den Skipper mit intelligenteren Funktionen unterstützen können.

Das Ziel besteht nicht darin, Technologie um ihrer selbst willen einzusetzen, sondern den Wassersport zugänglicher und angenehmer zu machen.

PM - Nachhaltigkeit prägt die maritime Industrie weiterhin. Welche Entwicklungen halten Sie für besonders bedeutend?

CB - Ich möchte Greenwashing immer vermeiden, denn Nachhaltigkeit entsteht durch die schrittweise Summe vieler Verbesserungen.

Die Hersteller optimieren ihre Produktionsprozesse, reduzieren den Materialeinsatz beim Bau und setzen, wo immer möglich, recycelte Verbundwerkstoffe ein. An Bord helfen elektronische Systeme den Skippern heute dabei, den Kraftstoffverbrauch in Echtzeit zu optimieren, während Solarpaneele, Foiling-Technologie und effizientere Antriebssysteme gemeinsam dazu beitragen, die Umweltbelastung zu verringern.

Es ist die Kombination aus Hunderten von schrittweisen Innovationen und nicht eine einzige revolutionäre Lösung.

PM - Im vergangenen Jahr haben Sie die Innovation Route überarbeitet und die Innovation Route Awards ins Leben gerufen. Wie entwickeln sich diese Initiativen weiter?

CB - Das Ziel ist ganz einfach: Innovationen mehr Sichtbarkeit zu verschaffen.

Die Besucher sagen uns immer wieder, dass die Entdeckung neuer Produkte einer der Hauptgründe für ihren Besuch in Cannes ist. In diesem Sinne hilft die Innovation Route dabei, die spannendsten Neuerungen auf der gesamten Messe leichter zu entdecken.

In diesem Jahr gehen wir mit den Awards zum zweiten Mal noch einen Schritt weiter, indem wir nicht nur die Gewinner, sondern auch die Finalisten jeder Kategorie hervorheben. Jeder Finalist erhält zudem ein eigenes Video, das seine Innovation erklärt und das wir über unsere Website sowie unsere Social-Media-Kanäle veröffentlichen werden.

Für uns endet die Rolle des Festivals nicht mit der Veranstaltung selbst. Wir möchten unsere Aussteller und ihre Innovationen vor, während und nach der Messe sichtbar machen.

PM - Hat sich das Profil der Besucher verändert?

CB - Das Festival war schon immer stark international ausgerichtet: Mehr als 60 % unserer Besucher kommen aus dem Ausland.

Wir begrüßen weiterhin viele Besucher aus Italien, Spanien und ganz Europa, beobachten aber gleichzeitig eine steigende Zahl von Gästen aus der Adriatischen Region. Darüber hinaus verzeichnen wir mehr Besucher aus dem Vereinigten Königreich sowie ein wachsendes Interesse aus dem Nahen Osten, Asien und Nordamerika.

Besonders erfreulich ist das Auftreten einer jüngeren Generation von Unternehmern, insbesondere von Menschen, die Unternehmen in den Bereichen Technologie, Daten und digitale Dienstleistungen aufgebaut haben.

Historisch gesehen sprach der Wassersport eher eine ältere Zielgruppe an. Heute sehen wir jüngere Käufer auf den Markt kommen, und alternative Zugangsmodelle wie Boat Clubs und gemeinschaftlicher Bootsbesitz tragen dazu bei, diesen Wandel weiter zu beschleunigen.

PM - Was macht das Cannes Yachting Festival – abgesehen von den ausgestellten Yachten – so einzigartig?

CB - Es ist seine Vielfalt. Besucher können an einem einzigen Ort alles entdecken – von Superyachten über Segelyachten, Katamarane und Motorboote bis hin zu Tendern und nautischer Ausrüstung.

In diesem Jahr haben wir den Bereich für Katamarane nochmals erweitert und tragen damit dem starken Wachstum dieses Segments Rechnung. Gleichzeitig bleibt Cannes mit mehr als 120 ausgestellten Segelyachten die größte Segelyachtausstellung Europas.

Zum 29. Juni waren bereits 636 neue Boote sowie 144 Weltpremieren bestätigt. Das Festival präsentiert darüber hinaus eine außergewöhnliche Bandbreite an Know-how. Besucher finden Boote aus GFK, Aluminium und Stahl sowie herausragende Leistungen in den Bereichen Schiffbauarchitektur, Design und Ingenieurwesen.

Für mich ist das Cannes Yachting Festival ein Ort, an den Menschen kommen, um Neues zu entdecken und sich inspirieren zu lassen.

Letztlich ist genau das die Aufgabe des Festivals: Innovation, Fachkompetenz und Leidenschaft zusammenzubringen und allen, die die Liebe zum Meer teilen, ein unvergessliches Erlebnis zu bieten.

 

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