Milano – Outdoorbereiche als echtes architektonisches Element und nicht nur als dekorative Kulisse waren das Leitmotiv der 24. Ausgabe des Master in Yacht Design am Politecnico di Milano, die mit dem Sieg des Projekts MY AISEE im Wettbewerb „Outdoor Living on Superyacht“ endete, der in Zusammenarbeit mit Paola Lenti organisiert wurde. Das Ergebnis bestätigte, dass die Gestaltung offener Bereiche an Bord heute eines der fortschrittlichsten Forschungsfelder im Bereich der Superyachten darstellt.
Dem Wettbewerb lag ein klar formuliertes Design-Briefing zugrunde: Outdoorbereiche bilden die sensible Verbindung zwischen Innen und Außen, eine zunehmend fließende Schwelle, die als echte Erweiterung des Wohnraums gestaltet werden soll – in Beziehung und Harmonie mit der umgebenden Umwelt. Die Herausforderung für die Studierenden bestand darin, funktionale Bereiche zu entwerfen, die nicht nur „Außenflächen“ sind, sondern vollständig nutzbare Lebensräume, die mit der Landschaft und der Architektur der Yacht in Dialog treten. Besonderes Augenmerk galt dabei den Bereichen Sundeck und Maindeck, in denen die Präsenz der Natur an Bord durch Grünflächen, Licht, Materialien und Möblierung gedacht, integriert und aufgewertet wurde.
Die Ergebnisse wurden anhand von zwei zentralen Bewertungskriterien analysiert. Das erste betraf die integrierte Verbindung zwischen Innen- und Außenbereichen: Die Jury bewertete Funktionalität und stilistische Kohärenz zwischen Innenlayouts und Außenräumen, mit besonderem Augenmerk auf die Rolle der Produkte aus der Kollektion von Paola Lenti sowie auf die Fähigkeit, auch maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln, die eine einheitliche Erzählung der Yacht schaffen – vom Hauptsalon bis zu den vorderen Sonnenbereichen. Das zweite Kriterium betraf Innovation in den Außenbereichen: Bevorzugt wurden Lösungen, die Ästhetik, Funktionalität und Technologie miteinander verbinden und Möblierungs- und Layoutkonzepte bieten, die Komfort, Entertainment und Nutzbarkeit der offenen Decks vereinen, mit besonderem Fokus auf den Vorschiffsbereich, der in aktuellen Markttrends zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Das Juryprotokoll beschreibt eine intensive Arbeitssitzung, die am 26. Februar 2026 online stattfand und eine Kommission aus Designern, Markenvertretern und Fachleuten der nautischen Kommunikation vereinte. Nach einer ersten individuellen Bewertung der von den Studierenden eingereichten Materialien führte die gemeinsame Diskussion schnell zu einer Shortlist von drei Projekten: MY AISEE, MY NOMADE und MY VENUS. Von den sechs Konzepten der Masterstudierenden wurden nur vier zur finalen Bewertung zugelassen – neben den drei genannten auch MY ANDROMA –, während MY CYGNUS und MY ALMA aufgrund von Unregelmäßigkeiten bei der Einreichung ausgeschlossen wurden, was unterstreicht, dass die Einhaltung von Fristen und Regeln als integraler Bestandteil des Ausbildungsprozesses betrachtet wurde.
Den Vorsitz der Jury führte Espen Øino, einer der international renommiertesten Namen im Yacht-Design. Ihm zur Seite stand eine Jury, die die gesamte Wertschöpfungskette repräsentieren sollte – von der Marke über die akademische Welt bis hin zu Kommunikation und Modellbau: Kicco Bestetti und Paola Lenti für das Unternehmen, Antonio Vettese für The Boat Show und Yacht Design, Andrea Ratti und Arianna Bionda für das Politecnico di Milano, Michela Reverberi, Expertin für Yacht-Interior-Design und Dozentin, sowie Giuseppe Capobianco für Model Maker Group.
Bereits in den ersten Diskussionen setzte sich MY AISEE als das vollständigste Projekt durch – sowohl in der Präsentation als auch in der konzeptionellen Kohärenz. In der offiziellen Begründung hob die Jury die Qualität der Integration der Möbel von Paola Lenti hervor, die „mit Ausgewogenheit, Maß und Kohärenz“ in die Gesamtvision der Yacht eingefügt wurden. Es handelte sich nicht um ein einfaches Product Placement, sondern um eine echte Strategie zur Aufwertung der Außenräume, bei der die Möbelelemente aktiv zur Definition von Funktionen, Wegen und räumlichen Hierarchien beitrugen. Die Farbpalette, der bewusste Einsatz von Materialien und Texturen sowie der Dialog zwischen Innen und Außen schufen eine wahrnehmbare Kontinuität, die perfekt mit der Forschung der Marke zu Farbe, Nachhaltigkeit und Komfort übereinstimmt.
Für Paola Lenti stellte der Wettbewerb ein fortgeschrittenes Labor dar, in dem neue gestalterische Sprachen und Lösungen über die Grenzen des Produkts hinaus getestet werden konnten. Die Marke, die seit Jahren eine Vision des Outdoor-Living in die nautische Welt bringt – geprägt von raffinierten Farbpaletten, recycelbaren technischen Stoffen und langlebigen Materialien mit besonderem Augenmerk auf ökologische Verantwortung – konnte überprüfen, wie ihre Kollektionen zu echten Planungsinstrumenten werden können, die das Leben im Kontakt mit dem Meer an Bord einer Superyacht neu definieren.
Neben dem Sieger vergab die Jury eine besondere Erwähnung an das zweitplatzierte Projekt MY NOMADE. Das Team interpretierte die Werte der Marke klar und präzise und arbeitete mit Modularität, formaler Einfachheit und flexiblen Konfigurationen der Außenräume. Besonders geschätzt wurde die Fähigkeit, rekonfigurierbare Outdoor-Layouts zu entwickeln, die mit der Designsprache von Paola Lenti übereinstimmen und den Trends entsprechen, nach denen offene Decks zu hybriden Räumen für Entspannung, soziale Interaktion und Arbeit werden – im Einklang mit den Anforderungen neuer Generationen von Eignern, die zunehmend Wert auf die Personalisierung von Decks und Beach Clubs legen.
Der Wettbewerb „Outdoor Living on Superyacht“ bestätigte die Rolle des Master in Yacht Design als Plattform für den Dialog zwischen akademischer Welt und nautischer Industrie. Die Studierenden arbeiteten mit Briefings und Zeitplänen, die denen professioneller Designstudios ähneln, während die Markenpartner die Möglichkeit hatten, ihre eigene Identität durch den Blick der neuen Generationen neu zu interpretieren. Die endgültige Rangliste – 1. MY AISEE, 2. MY NOMADE, 3. MY VENUS, 4. MY ANDROMA – markiert daher nicht nur das Ende eines Wettbewerbs, sondern auch den Ausgangspunkt für Ideen und Talente, die künftig in Werften und Designstudios anzutreffen sein werden, die die Zukunft des Superyachtdesigns gestalten.
Anlässlich der Bekanntgabe des Siegerprojekts konkretisierte sich die Zusammenarbeit zwischen Paola Lenti und Model Maker Group auch in einer besonderen Veranstaltung für die Welt des nautischen Designs: „Beyond the Horizon – Shaping a New Vision of Elegance at Sea“, die am 4. März 2026 im Paola-Lenti-Showroom in der Via Giovanni Bovio 28 in Mailand stattfand. In Partnerschaft mit dem Politecnico di Milano, POLI.design und Yacht City sowie mit der Medienpartnerschaft von Yacht Design und The Boat Show bot der Abend die Gelegenheit, die Forschung zu Outdoor-Bereichen an Bord zu vertiefen und die Arbeiten der Studierenden des Master in Yacht Design zu präsentieren, wodurch die Rolle von MMG als Schnittstelle zwischen Design und Industrie gestärkt wurde.
Filippo Ceragioli