Auf der boot Düsseldorf 2026 präsentierte Sunseeker die neue Manhattan 56 als Weltpremiere und gab ein Update zum Projekt Superyacht 134, einer etwas über 40 Meter langen Yacht, die bereits auf dem Cannes Yachting Festival 2025 vorgestellt worden war. Die Aufmerksamkeit des Publikums richtete sich jedoch vor allem auf den Auftritt von Scott Miller, der erst seit wenigen Wochen als CEO der britischen Werft tätig ist und Andrea Frabetti nachfolgte.
In seiner ersten öffentlichen Rede als Geschäftsführer skizzierte Miller klar und strukturiert den von Sunseeker eingeschlagenen Transformationsweg und definierte Prioritäten, Ziele und operative Instrumente.
Scott Miller bezeichnete sich selbst als „industry agnostic“ Manager mit 27 Jahren Erfahrung in der Unternehmenstransformation und 15 Jahren in führenden Managementpositionen. Sein beruflicher Werdegang entwickelte sich in Umfeldern, die von finanziellen Restrukturierungen, der Überarbeitung operativer Modelle und industriellen Turnarounds geprägt waren, auch im Luxus- und Fertigungssektor.
Nach seinem Eintritt bei Sunseeker im November 2025 identifizierte Miller drei anfängliche Prioritäten: die Stabilisierung des Unternehmens, die Stärkung des Führungsteams und den Aufbau eines strukturierten Transformationsplans. In dieser Phase betonte der CEO die Unterstützung der Investoren, die er als Zeichen des Vertrauens in das Potenzial der Marke wertete.
Einer der ersten Interventionsbereiche betraf die Lieferkette. Die von den Investoren bereitgestellten finanziellen Mittel wurden zur Stärkung der Supply Chain und zur Verbesserung der Fertigungseffizienz eingesetzt, mit einem klaren Ziel: termingerechte Auslieferungen und höhere industrielle Zuverlässigkeit.
Parallel dazu überarbeitete Sunseeker seine Beschaffungsstrategie und führte einen „Customer First“-Ansatz ein, der auf Qualität, Zeitmanagement und Optimierung der Stückliste pro Yacht ausgerichtet ist. Diese Entscheidung zielt darauf ab, sowohl die Kundenerfahrung als auch die Produktprofitabilität zu verbessern.
Miller betonte mehrfach, dass der Neustart von Sunseeker nicht an eine einzelne Person gebunden ist, sondern auf kollektiver Arbeit basiert. Zu den neuen Schlüsselfiguren zählte er Mario Gornati, der zum Marketing- und Kommunikationsdirektor ernannt wurde, sowie den Beitrag von Chris Head und zahlreicher interner Teams.
Das vom CEO geförderte Organisationsmodell basiert auf funktionsübergreifender Zusammenarbeit und auf der Aufwertung der gesamten Wertschöpfungskette, wobei Silostrukturen vermieden und eine koordinierte Umsetzung der Strategie gefördert werden.
Aus strategischer Sicht besteht das erklärte Ziel darin, Sunseeker als exklusive und aspirative Marke zu bestätigen und eine führende Rolle im Superyacht-Segment zurückzugewinnen. Die Transformation ist nicht als Kostensenkungsprogramm konzipiert, sondern als Weg zu nachhaltigem Umsatzwachstum, das als Voraussetzung für die Schaffung industriellen Wertes und die Gewinnung neuer Investoren gilt.
Der von Miller vorgestellte Plan ist in drei zentrale „Prismen“ gegliedert. Eine vollständige Neugestaltung der Kundenerfahrung, vom Erstkontakt bis zum After-Sales, mit dem Ziel, Loyalität und Wiederholungskäufe zu steigern. Ebenso zentral sind der Ausbau der Beziehungen zu Händlern und Distributoren sowie die Expansion in neue Märkte.
Die kontinuierliche Investition in neue Modelle wird als „Lebensblut“ von Sunseeker definiert. Manhattan 56 und Superyacht 134 stellen die ersten Bausteine einer fünfjährigen Produktentwicklungs-Roadmap dar, unterstützt durch Investitionen in den Standort Poole, in Infrastruktur, Systeme und Kompetenzen.
Unter der Leitung von Chief Commercial Officer Steve Timps umfasst der operative Plan Make-or-Buy-Strategien, eine Überprüfung des Sourcings und die Reduzierung der Stückliste pro Einheit. Die Digitalisierung der Produktionsprozesse wird als entscheidender Hebel zur Steigerung von Effizienz und Rentabilität Yacht für Yacht betrachtet.
Ein wiederkehrendes Element in Millers Rede war die Rolle der Menschen. Ausbildung, Upskilling, Talentgewinnung und Anerkennungssysteme gelten als grundlegende Instrumente zur Unterstützung der Strategieumsetzung. Das EXCO arbeitet mit einer funktionsübergreifenden Logik, die Design, Engineering, Marketing, Vertrieb, Produktion und Einkauf in einem integrierten Prozess vereint.
Miller betonte zudem die Verbindung zum Erbe der Marke, nannte die Gründer, die Brüder Braithwaite, und unterstrich die Bedeutung der Wertekontinuität. Die Anwesenheit von John Braithwaite auf der Konferenz wurde als Zeichen von Verantwortung und Übereinstimmung zwischen neuer Führung und Markentradition gewertet.
Im Verlauf der Konferenz wurden weitere technische Einblicke zur Manhattan 56 und zur Superyacht 134 angekündigt, die jeweils von Mark und Ewan Foster vorgestellt werden. Miller bestätigte außerdem, dass der Businessplan derzeit intensiv mit den Investoren diskutiert wird und dass in Kürze weitere Arbeitssitzungen in Poole geplant sind, mit Fokus auf Infrastruktur und Produkt-Roadmap.
Von der Bühne der boot Düsseldorf 2026 entsteht das Bild einer Werft, die sich in einer strukturierten Transformation befindet, getragen von Marke, Produkt, Prozessen und Menschen. Mit einem auf Turnaround-Operationen spezialisierten CEO, einem klar definierten Industrieplan und einer starken Ausrichtung auf Customer Centricity eröffnet Sunseeker ein neues Kapitel seiner Geschichte mit dem erklärten Ziel, wieder eine führende Position in der internationalen Superyacht-Landschaft einzunehmen.