Im Rahmen des Panels “Redefining Luxury - Episode 2: From Ambition to Implementation”, das von Smart Interiors Horizon während der Seaquip Milano 2026 moderiert wurde, haben wir eines der meistdiskutierten Themen der Veranstaltung vertieft: Wie lassen sich Nachhaltigkeitsziele in konkrete Maßnahmen umsetzen, ohne dabei Qualität und ästhetische Exzellenz zu beeinträchtigen?
Darüber sprachen wir mit Simona Parravicini von Paola Lenti, einem Unternehmen, das die Kultur nachhaltiger Gestaltung seit vielen Jahren fest in seinen Ansatz integriert hat.
PressMare – Während des Panels wurde viel über Umsetzung gesprochen. Was bedeutet nachhaltiges Design für Paola Lenti konkret?
Simona Parravicini – Für uns ist Nachhaltigkeit ein ganzheitliches Konzept. Sie umfasst selbstverständlich die Verwendung recycelter oder recycelbarer Materialien, bedeutet aber ebenso, Produkte zu entwickeln, die ihren Wert langfristig bewahren.
Dazu gehört die Arbeit an Materialqualität, Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit sowie die Berücksichtigung des Produktlebensendes bereits in der Entwurfsphase. So bevorzugen wir beispielsweise Montagesysteme, die eine spätere Demontage erleichtern, reduzieren die Anzahl der Bauteile, wo immer dies möglich ist, und vermeiden Lösungen, die die Rückgewinnung von Materialien erschweren könnten.
Gleichzeitig halten wir es für entscheidend, dass ein Produkt auch seinen ästhetischen Wert über die Zeit bewahrt. Ein Design, das nicht kurzlebigen Trends folgt, trägt zu seiner Langlebigkeit und damit zu seiner Nachhaltigkeit bei.
PM – Eines der Themen des Panels war das Produktlebensende. Wie wichtig ist es, diesen Aspekt bereits in der Entwurfsphase zu berücksichtigen?
SP – Das ist von grundlegender Bedeutung. Wenn wir wirklich von Kreislaufwirtschaft sprechen wollen, müssen wir beim Design beginnen.
Das Lebensende eines Produkts mitzudenken bedeutet, Materialien auszuwählen, die nach ihrer Nutzung identifiziert, getrennt, zurückgewonnen oder weiterverarbeitet werden können.
Daher müssen Produkte so gestaltet werden, dass sie demontierbar sind. Gleichzeitig sollten Behandlungen oder Veränderungen vermieden werden, die die Eigenschaften der Materialien verändern und ihre Wiederverwendung verhindern.
Unser Ziel war es stets, die ursprünglichen Eigenschaften der Materialien zu bewahren, damit sie auch nach dem Ende des Produktlebenszyklus weiter genutzt werden können.
PM – Diese Sichtweise steht in direktem Zusammenhang mit dem Projekt Metamorfosi, das häufig als positives Beispiel für Kreislaufwirtschaft genannt wird.
SP – Absolut. Metamorfosi entstand aus dem Wunsch heraus, Materialien aufzuwerten, die normalerweise als Produktionsreste betrachtet würden. In unserem Fall handelt es sich dabei vor allem um textile Materialien.
Das Projekt wurde gemeinsam mit den Brüdern Campana entwickelt und später durch weitere Kooperationen erweitert, die alle auf einer sehr einfachen Idee basieren: Was für den einen Abfall ist, kann für den anderen eine neue gestalterische Chance darstellen.
Hinter diesem Ergebnis steht jedoch eine lange organisatorische Arbeit. Bereits vor vielen Jahren haben wir begonnen, Materialreste zu katalogisieren und aufzubewahren, sortiert nach Farben, Beschaffenheit und Texturen. Das lässt sich nicht improvisieren. Es erforderte Weitblick, Planung und vor allem die Bereitschaft, in einen Prozess zu investieren, dessen Ergebnisse sich erst langfristig zeigen.
PM – Während des Panels wurde auch die langfristige Sensibilisierung der Kunden angesprochen. Wie wichtig ist es, diese Prozesse zu kommunizieren?
SP – Wenn ein Kunde ein Produkt auswählt, nimmt er sofort dessen Schönheit, Farben, Komfort und Qualität wahr. Viel weniger sichtbar ist die Arbeit dahinter – von der Materialforschung über die gestalterischen Entscheidungen bis hin zur Berücksichtigung von Umweltaspekten und Produktionsprozessen.
Deshalb halten wir es für entscheidend, auch das sichtbar zu machen, was man auf den ersten Blick nicht sieht.
Ein konkretes Beispiel ist unsere Arbeit im Bereich Verpackungen. Wir ersetzen kontinuierlich bereits nachhaltige Materialien durch Lösungen, die aus ökologischer Sicht noch effizienter sind. Dabei handelt es sich oft um Details, die kaum wahrgenommen werden, die aber dazu beitragen, die Gesamtumweltbelastung des Produkts zu reduzieren.
PM – Einer der meistdiskutierten Aspekte der Seaquip Milano 2026 war das Verhältnis zwischen Nachhaltigkeit und Exzellenz. Lassen sich beide miteinander vereinbaren?
SP – Für uns ist das nicht nur möglich, sondern notwendig. Nachhaltigkeit bedeutet niemals einen Kompromiss bei der Qualität. Im Gegenteil: Sie erfordert noch mehr Forschung, größere Aufmerksamkeit für Details und ein höheres Maß an gestalterischer Verantwortung.
Unser Anspruch zeigt sich in Produkten, die langlebig sind, ihre ästhetischen und funktionalen Eigenschaften bewahren und weitergegeben statt ersetzt werden können.
Das ist eine der greifbarsten Formen von Nachhaltigkeit.
PM – Welche Rolle werden die jüngeren Generationen in dieser Entwicklung spielen?
SP – Seit vielen Jahren arbeiten wir mit Berufsschulen, Universitäten und Designinstituten zusammen und nehmen Studierende in unserem Unternehmen auf, weil wir überzeugt sind, dass die Weitergabe von Wissen von grundlegender Bedeutung ist.
Viele der Arbeiten, die Paola Lenti auszeichnen – wie Flechtarbeiten, Nähtechniken und handwerkliche Verarbeitungen – erfordern Fähigkeiten, die bewahrt und weitergegeben werden müssen.
Deshalb möchten wir mit jungen Designern zusammenarbeiten, die unsere Philosophie teilen, und mit Menschen, die an die Werte von Langlebigkeit, Qualität und verantwortungsbewusstem Design glauben. Wir suchen nicht zwangsläufig nach bekannten Namen.
Nachhaltigkeit entsteht durch tägliche Entscheidungen. Jede gestalterische Wahl, jedes Material, jeder Prozess und jedes Detail tragen dazu bei, ein verantwortungsvolleres Produkt zu schaffen. Ehrgeiz ist wichtig, doch die tatsächliche Umsetzung macht letztlich den Unterschied.
Rebecca Gabbi