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Venedig – eine Stadt der Zukunft

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Classic Boats Venice
Classic Boats Venice

Steigender Meeresspiegel, Stau auf dem Wasser und Kreuzfahrtschiffe – in der Lagunenstadt werden wie in einem Labor neue Lösungen für alte Probleme entwickelt. Die erste Folge unserer Serie über die Städte, in denen schon heute die Mobilität der Zukunft erforscht wird

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1 m s.l.m., so lautet eines der Probleme von Venedig, das gleichzeitig sein größter Standortvorteil ist. Un metro sul livello del mare, einen Meter über dem Meeresspiegel, liegt die berühmte Stadt an der Lagune. Die letzte größere Flut ereilte Venedig im Spätherbst 2019, es war die schwerste seit mehr als 50 Jahren. Die Pegel erreichten beinahe 1,90 Meter über dem Meeresspiegel, auf dem Markusplatz stand das Wasser bis über die Knie der Helfer, 80 Prozent des Stadtgebiets waren überschwemmt. Auch das Ausmaß der Schäden überstieg sämtliche bekannte Höhen, auf mehr als eine Milliarde Euro bezifferte Bürgermeister Luigi Brugnaro die Schadenssumme.
Es gibt wohl kaum eine Stadt auf der Welt, die so sinnbildlich für das Leben am Wasser steht, in der Mobilität auf dem Wasser für die Einwohner und die Touristen so wichtig ist wie Venedig. 33 Millionen Touristen besuchten im Jahr 2019 die Lagunenstadt und fuhren mit den Gondolieri oder den Wassertaxis durch die Kanäle, von den 50 Kreuzfahrtschiffen ganz zu schweigen, die jedes Jahr direkt neben dem Markusplatz anlegten. Die kleine Stadt, in der mittlerweile nur noch 50.000 Menschen leben, steht vor dem Verkehrskollaps – mit Ausnahme der Gondolieri, die vor allem mit Muskelkraft durch die Kanäle navigieren, beruht der Verkehr in Venedig auf herkömmlichen Bootsantrieben. Doch nun versuchen viele Initiativen und Unternehmer, neue nachhaltige Lösungen für die Stadt zu entwickeln, die die Situation für die Menschen und die Umwelt verbessern sollen.
Einer dieser Unternehmer ist Jean-Paul Morselli, der den exklusiven Bootsverleih Classic Boats Venice betreibt. Seit 2018 werden alle Modelle, mit denen Touristen selbstständig durch die Kanäle fahren, mit leisen und umweltfreundlichen Torqeedo-Motoren ausgestattet. Die verwendeten Cruise Außenborder hinterlassen einen geringen CO2-Fußabdruck, und die Schiffe verlieren trotz Hightech-Antrieb nichts von ihrem romantischen Flair, entweder werden sie nach traditioneller Art neu gebaut oder sorgfältig restauriert. Die Lady Betty, das älteste Schiff in der Flotte, hatte ihre Taufe bereits 1894. „Die Kunden lieben es“, sagt Jean-Paul Morselli. Vor der Pandemie war der Verleih jeden Tag ausgebucht. Es gibt also durchaus eine Nachfrage nach einer anderen Art von Tourismus, der Respekt vor den Bewohnern und der Lagune beinhaltet, Torqeedo sei dafür der perfekte Partner, so Morselli.

Welche Funktion Torqeedo für Elektromobilität auf dem Wasser einnimmt, lässt sich auch bald auf der Arsenale bewundern, die sich auf dem Gelände der historischen Werft befindet. Hier entstand schon vor hunderten Jahren die Flotte der venezianischen Republik, 200 Galeeren pro Jahr wurden in komplexer Arbeitsteilung gebaut. Auf den neuen, unschlagbaren Schiffsentwürfen gründete sich der Reichtum der Region über Jahrhunderte hinweg. Und genau hier beginnt Ende Mai der Salone Nautico Venezia. Das Motto, das die noch junge Messe, die dieses Jahr alle notwendigen Hygienemaßnahmen gewährleistet, trägt, passt zur stolzen Vergangenheit – „der Bootsbau kommt zurück nach Hause“.
Nur sieht Innovation im Schiffbau heutzutage anders aus. Die Leitwerte der Leistungsschau heißen Nachhaltigkeit und besseres Ressourcenmanagement. Einer der Höhepunkte des Programms ist eine viertägige E-Regatta, während der sämtliche Spielarten von elektrisch angetriebenen Booten ihre Wettbewerbsfähigkeit beweisen.
Die NGO Venice Agenda 2028 organisiert die Regatta und fordert bereits seit einiger Zeit, den gesamten Schiffsverkehr innerhalb der Lagune zu elektrifizieren. In der Initiative haben sich zahlreiche Branchenverbände und Unternehmen organisiert, um für eine nachhaltige Mobilität in der Lagune einzutreten. Angefangen bei sämtlichen Taxibooten, Arbeitsbargen und privaten Yachten hin zu den Vaporetti, den Wasserbussen der Stadt. Allein letztere verbrauchen heutzutage noch mehr als 21 Millionen Liter Diesel.
Torqeedo war bereits auf dem ersten Salone Nautico vertreten und wird auch für die diesjährige Messe seine Technologie vorstellen und auch ein Team für die Regatta stellen. „Der italienische Markt nimmt den Wandel hin zu einer emissionsärmeren Zukunft an“, sagt Gennaro Giliberti, bei Torqeedo Key-Account-Vertriebsleiter für Italien. „Es ist der richtige Zeitpunkt für Torqeedo, die Präsenz in diesem überaus wichtigen Schiffbaumarkt auszubauen.“ Wichtig sei vor allem, auch die kommerziellen Nutzer von der Zukunftstechnologie zu überzeugen. Es gibt mehr als 1.000 Mototopi in der Stadt, die typischen Motorboote, mit denen Waren in der Lagune und im historischen Stadtkern ausgeliefert werden. Hier gelte es laut Giliberti anzusetzen. Noch ist jedoch die Infrastruktur das größte Problem für einen schnellen Wechsel. „Venedig ist eine alte Stadt, das macht die Installation von Schnellladestellen schwierig“, so Giliberti, „aber gerade werden einige smarte Lösungen für dieses Problem entwickelt.“ Der Plan, an dem alle arbeiten: Aus einem Ort, dem seit Jahren der Untergang prophezeit wird, ein Labor für die Zukunft zu machen.
Auch Morselli und sein Bootsverleih mit den Torqeedo-Motoren arbeiten mit anderen Initiativen zusammen, um den Menschen ein Verständnis für Venedig zu vermitteln. Wenn die Besucher mit den klassischen venezianischen Sanpierota-Booten ablegen, geben die Betreiber eine Routenempfehlung mit auf den Weg: „Sie treffen lokale Fischer und Bauern und Handwerker, sehen Orte, die von klassischen Rundfahrten ignoriert werden. Aber wir haben über 120 Inseln in der Lagune“, sagt Morselli. „Venedig ist so viel mehr als nur sein Zentrum.“

Denn genau dieses Zentrum wird von den Touristen bestürmt: Overtourism lautet der passende Fachbegriff. Vor allem geht es um die Ausflügler, die jeden Tag per Kreuzfahrtschiff anlanden. Stockwerkehoch über den Dächern der antiken Stadtpaläste ragen die Kreuzfahrtschiffe in normalen Zeiten empor. Ein jedes von ihnen stößt täglich so viel CO2 aus wie 84.000 PKW. Noch dazu stehen die Bugwellen der mächtigen Schiffe im konkreten Verdacht, die Fundamente der zum Weltkulturerbe gehörenden Stadtpaläste irreparabel zu schädigen.

„In Venedig ist man sehr traditionell“, sagt Gennaro Giliberti von Torqeedo. „Man macht die Dinge so, wie man sie immer gemacht hat.“ Zur Tradition gehören neben den Kanälen auch die wenigen derzeit geöffneten Cafés, in denen man einen Cappuccino oder gar einen Bellini trinkt.
Nicht weit von hier wurde der Drink schließlich erfunden. In Harry’s Bar, wo sich einst der internationale Jetset traf. Arrigo Cipriani, der das Lokal in zweiter Generation führt, lebt allerdings nicht im Gestern. Er ist eine der lautesten Stimmen, die nach Veränderung rufen. „Das Wichtigste ist, die Stadt wieder zu bevölkern. Vor 30 Jahren waren wir 150.000 Einwohner, davon sind gerade einmal 50.000 übrig. Und unter denen bin ich der jüngste“, so der 89-Jährige zynisch. „Eine Stadt besteht aus Steinen und Menschen, hier sind nur die Steine geblieben.“ Cipriani formt wirtschaftliche Tatsachen in Worte: Zu lange lebte man in Venedig von der Vermarktung der glorreichen Vergangenheit. Sein radikaler Vorschlag wird seit einem Jahr in der Stadt leidenschaftlich diskutiert: „Elektrische Gondeln sind die richtige Lösung für Venedig: Sie sind ökologisch, sie verursachen keinen Lärm und würden die Mobilität in Venedig erleichtern“, findet Cipriani.

Und vielen reicht es nicht mehr, nur Ideen zu diskutieren. Im Laufe der letzten Jahre gründeten sich zahlreiche Bürgerinitiativen, die auf die eine oder andere Weise versuchen, die Zukunft der Stadt neu zu denken und auch zu gestalten. Bei der NGO We are here Venice (WAHV) setzt man sich für die Renaturierung der Lagune ein und rechnet dem Establishment vor, das noch immer auf Massentourismus setzt, dass die erwirtschafteten Profite nach Abzug von Unterhalts- und Umweltkosten eher gering sind. Gerade arbeitet man unter anderem an einem Projekt, das Salzmarschen rund um Venedig als CO2-Speicher nutzen will. Venedig sei ein Spiegel der Welt, sagt Jane da Mosto, Umweltwissenschaftlerin und Gründerin von WAHV: „Eine Quelle der Inspiration und ein Mikrokosmos vieler der drängendsten globalen Herausforderungen.“ „Die ganze Welt blickt auf Venedig“, stimmt auch Gennaro Giliberti von Torqeedo zu: „Was hier funktioniert, wird auch anderswo den Wandel beschleunigen.“
An Lösungsansätzen mangelt es nicht. So hat sich etwa die Wohnungsplattform Fairbnb, die einen nachhaltigeren Ansatz der Sharing Economy verfolgt, in Venedig gegründet und wächst mittlerweile auch in anderen europäischen Städten, die unter Overtourism leiden, wie Barcelona oder Amsterdam. Andere Bürger versuchen sich an Veränderungen im Kleinen. Zum Beispiel die Initiative Row Venice, eigentlich ein Verein, der Interessierten die traditionelle Art venezianischen Ruderns beibringt. Während des Lockdowns lieferten sie auf diese Weise dringend benötigte Vorräte aus – Nachbarschaftshilfe auf nachhaltige Art.

Momentan verschafft die Corona-Pandemie der Stadt eine Atempause. Vorerst ist das Anlegen der Kreuzfahrtschiffe in der Altstadt laut Entscheidung der italienischen Regierung pausiert. Es werden neue Liegestellen gesucht, es wird ein Ideenwettbewerb veranstaltet, 2,2 Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung. Es ist eine schwierige Rechnung: Wie viele Besucher dürfen es höchstens sein, um die Stadt wieder lebenswerter zu machen, und um wie viele Menschen dürfen die Touristenströme höchstens reduziert werden, um noch genug Geld zu verdienen, in einer Stadt, in der beinahe zwei Drittel aller Menschen ihren Lebensunterhalt mit dem Tourismus verdienen. Mit dem Detourism-Projekt versucht die Stadt den Besuchern bereits heute ein alternatives Reiseerlebnis anzubieten und veröffentlicht Karten, auf denen man Markusdom und Dogenpalast vergeblich sucht. So könne man „Venedig erleben wie ein Venezianer“, locken die Macher, schließlich sei es „die perfekte Stadt, um sich zu verirren“. Auch Torqeedo-Experte Gennaro Giliberti ist zuversichtlich, dass ein Wandel möglich ist: „Italien macht sich auf den Weg in eine emissionsfreie Zukunft“, sagt er. Es ist die Chance für einen Neustart.

Über Torqeedo
Torqeedo ist der Marktführer für elektrische Mobilität auf dem Wasser. Das Unternehmen wurde 2005 in Starnberg gegründet und entwickelt und fertigt elektrische und hybride Antriebe zwischen 0,5 und 100 kW für kommerzielle Zwecke und den Freizeitgebrauch. Die Produkte von Torqeedo zeichnen sich durch ihren kompromisslosen Fokus auf Hightech aus, sowie durch maximale Effizienz und ihr voll integriertes System. Torqeedo ist Teil der DEUTZ-Gruppe, einem der weltweit führenden Hersteller von innovativen Antriebssystemen.
www.torqeedo.com

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