Ollie Heer: Erst um den Fastnet Rock, dann um die Welt

Ollie Heer: Erst um den Fastnet Rock, dann um die Welt

Close

Vom Opti zum Profi – Oliver Heer ist klassisch gestartet und peilt jetzt ein hohes Ziel an. Er möchte an der Start des nächsten Vendée Globe Rennens 2024. Zuerst segelt er aber noch mit seinem Boss Alex Thomson das Rolex Fastnet Race. WAVE zeigt den Werdegang des Offshoreseglers mit Ambitionen.

advertising

Press Mare: Ollie, wie fing Deine Seglerkarriere an?
Oliver Heer: Der Anfang war mehr als klassisch: mein Vater setzte mich in seinen alten Opti und schubste mich aufs Wasser hinaus. So locker ging es los. Unser Heimrevier war die Kempratner Bucht, die wir kreuz und quer durchsegelten. Ich wurde Junior im YC Rapperswil und mit unserem Coach Stephan Züger und acht Optimisten auf dem Anhänger sind wir quer durch die Schweiz gereist und haben auf sämtlichen Schweizer Seen an Regatten teilgenommen. Anschliessend habe ich auf Jollen gewechselt und in der Schweiz sowie im Ausland regattiert.

Wann kam der Sprung auf etws Grösseres?
Während eines Studienjahres in Asien hatte ich die Möglichkeit, auf einer professionellen Rennyacht mitzusegeln. Dort habe ich gesehen, dass es Leute gibt, die so ihr Geld verdienen. Deshalb entschloss ich mich nach meinem Studium und einem Jahr Bürojob, nach England zu gehen und dort den «Yachtmaster Ocean» zu absolvieren. Schon während der Ausbildungszeit in Hamble erhielt ich einige Jobangebote und konnte an verschiedenen Regatten mitsegeln. So ergab es sich fast von selbst, dass meine Agenda immer voller wurde.

Was war dein bisher grösster Erfolg?
Ganz klar der Gesamtsieg des «Round Britain and Ireland Race» im August 2018. Das ist eine 2000 Meilen Regatta rund um England, Irland und Schottland mit einem hochkarätigen Teilnehmerfeld. Auf der Lombard 46 «Pata Negra» war ich damals ein Jahr lang als Boat Captain angestellt und war während des Rennens Watch Leader. Wir haben mit einer genialen Crew das perfekte Race gesegelt!


Apropos Boat Captain. Du arbeitest ja jetzt für Alex Thomson Racing…
Von 2014 bis 2015 segelte ich als Regattacrew auf der TransPac52 Freefire mit. Danach konnte ich beim Refitting der IMOCA 60 Hugo Boss dabeisein und weitere Erfahrungen sammeln. Seit 2018 arbeite ich vollamtlich im Team von Thomson als Co-Skipper und Boat Captain mit.
Was umfasst das? Das Team und die «Hugo Boss» sind seit mehreren Jahren an der Spitze von Innovationen und Entwicklungen von neuen Technologien. Ich schätze mich glücklich, hier dabei zu sein und an Top-Regatten teilnehmen zu dürfen. Ich trage die volle Verantwortung für die Yacht und bin zuständig für alle technischen Aspekte, inklusive Reparaturen und Modifikationen. Da ich bereits beim Design- und Bauprozess aktiv involviert war, kenne ich jedes Detail des Schiffes. Wenn Alex an Regatten teilnimmt bin ich 24/7 auf Standby um Ihm bei technischen Problemen und Reparaturen beiseite zu stehen.


Was bringt man idealerweise mit für so einen Job?
Gutes Organisationstalent gehört auf alle Fälle dazu. Ich besitze einen Abschluss BSc in International Management, das kann man in meiner Position gut gebrauchen. Ohne perfekte Englischkenntnisse geht gar nichts und eine grundsolide nautische Ausbildung ist absolut basic. Wettbewerbssegeln hat mich schon immer gereizt und ja, ich gewinne gerne. Ich schätze mich als sehr kommunikationsfreudig ein, das hat mir geholfen, ein grosses Netzwerk an Kontakten aufzubauen. Wenn man die richtigen Leute kennt, kann man in dringenden Fällen auch schon mal „zaubern“ und normale Lieferfristen vergessen.
Du und Alex startet in den nächsten Tagen zum Rolex Fastnet Race. Aufgeregt? Ja und nein. Rennen sind immer spannend und Unvorhergesehenes kann jederzeit passieren. Ich habe das Rennen bereits zweimal auf einer First 40 gesegelt, 2015 als Watch Leader und 2017 als Skipper. Meine Faustregel lautet: Man darf seine Crew und die Yacht nie überschätzen und die äusseren Bedingungen nie unterschätzen. Wer seine Crew in eine schwierige Situation bringt, muss auch die Kompetenz haben, sie da wieder herauszubringen. Das Wichtigste ist, herausfordernde Situationen immer wieder zu trainieren und darauf vorbereitet zu sein – mit einem Plan B, C und D.