MYLIUS 60CK: Doppeltes Glück

MYLIUS 60CK: Doppeltes Glück

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Die Neue aus Italien setzt mit ihrem Kippkiel einen neuen Massstab im Segment der Performance-Cruiser.

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Zeig mir Deine Yacht und ich sage Dir, wer Du bis – im Falle des Eigners stimmt auch dieses geflügelte Wort. Wie bei der Mylius hat er auch bei seinen Vorgängermodellen stets eine sichere Wahl für herausragende Modelle bewiesen. Seine Erfahrung sammelte er mit neun Yachten, auf denen er unzählige Offshore-Rennen gewann. So segelte er die Nummer 1 der Cookson 50, eines Racer-Cruisers, der in der Geschichte der internationalen Offshore-Regatten auf den oberen Plätzen rangiert.

Die Mylius 60 CK entstand aus dem Wunsch von Guido Paolo Gamucci, auf einem grösseren und komfortableren Boot zu segeln, das sich auch wirklich für lange sommerliche Törns im Mittelmeer in Begleitung seiner vielköpfigen Familie und vieler Enkelkinder eignet. Die "conditio sine qua non" eines Canting Keels wurde vor allem durch die bisherigen Erfahrungen mit einem höheren Komfort an Bord definiert – weniger Krängung erlaubt mehr entspanntes Segeln bei höherem Bootsspeed. Der Innenkomfort scheut keinen Vergleich zur eher cruising-orintierten Mylius 60 mit Festkiel, die 2013 entstand und 2017 weiter verbessert wurde. Fra Diavolo, eine der acht ausgelieferten Mylius-60-Yachten, hat gerade erst die St. Maarten Heineken Regatta gewonnen.

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Die Neue aus Italien setzt mit ihrem Kippkiel einen neuen Massstab im Segment der Performance-Cruiser.

Wie alle Mylius ist auch die 60CK das Ergebnis der Philosophie und Strategie der von Luciano Gandini geleiteten Werft. Von der Konzeption über die Entwicklung des Projekts bis hin zur Innenausstattung wird alles inhouse durchgeführt. Nur die aus Prepreg-Kohlenstoff gefertigten Rumpf und Deck, welche in einer Vakuum-Epoxidharzmatrix entstehen, werden von einem Partnerbetrieb in Polen laminiert, immer unter der direkten Kontrolle der Mylius-Projektmanager.

Der Projektmanager ist Alberto Simeone, einer der Gründer von Mylius. Er leitet das Konstruktionsteam und kümmert sich um alle Aspekte von den ersten Zeichnungen der Wasserlinien bis zu ihrer Berechnung mit dem CFD; vom Entwurf der Aussen- und Innenausstattung über die Berechnung der Strukturen bis hin zu jedem Detail der Bordtechnik, einem Gebiet, das seit jeher der Stolz der Werft ist und das von Mauro Montefusco, einem weiteren Mylius-Gründungsmitglied, betreut wird.

Bezeichnenderweise wurde der erste H5000-Prozessor für B&G-Instrumente im Jahr 2015 auf einer Mylius installiert. Und bereits 2011 testete man als einer der ersten ein Can-Bus-System, auf dessen Erfahrung die auf der 60CK installierte C-Zone abgeleitet wurde. Ebenso spiegeln die Möbeltischlerei und jedes ästhetische und funktionelle Detail der Innenausstattung die Leidenschaft und das handwerkliche Können der Arbeiter aus der Werft in Piacenza.

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Die Neue aus Italien setzt mit ihrem Kippkiel einen neuen Massstab im Segment der Performance-Cruiser.

Die Yacht

Unser Test vor Punta Ala in der Toskana hätte kaum früher stattfinden können. Bei unserer Ankunft wurden gerade erst die Segel angeliefert und angeschlagen. Doch waren die Segeleigenschaften selbst ohne jegliches Fine Tuning bereits beeindruckend. Aber dazu später.

Bis zum Ablegen nahmen wir die Besonderheiten der Mylius unter die Lupe. Die Yacht präsentiert sich in einer gemischten Cuising/Racing-Konfiguration. Die Umstellung in den Racer-Modus nimmt mit zwei Personen rund drei Tage in Anspruch. Die umfassenden Modifikationsmöglichkeiten bis hin zum Racing-Rigg wurden bereits bei der Yachtplanung berücksichtigt. Das alte Motto “für die Regatta wird alles mögliche weitgehend ausgeräumt” gilt hier nicht mehr. Während sich die Yacht zur reinrassigen Rennziege verwandelt, bleibt der Komfort an Bord unangetastet.

Das grosse und ergonomisch gut gestalteten Cockpit erlaubt schnelle Bewegungsabläufe während einer Regatta und viel Komfort beim Cruisen. Barfuss spürt man das weiche Feeling des rutschfesten Seadeck-Belages. Sehr leicht und in einem ausgesprochen rassigen Look gehalten, wird man den klassischen Teakbelag nicht vermissen.

Der auf die untere Cockpitebene tiefer gelegte Traveller erlaubt einen besseren Trimm des Grosssegels (mit German Mainsheet System), dank der achterlichen Position wird es noch effektiver umgesetzt. Blickfänger sind die eleganten und schlanken Steuersäulen, die weit nach vorn platziert wurden, um das Crewgewicht in der Bootsmitte zu konzentrieren. Auf jedem von ihnen sind alle Instrumente und Bedienelemente symmetrisch angeordnet. Vor dem Steuermann befinden sich der B&G Zeuss Cube Grafikplotter, ein wasserfester Touchscreen, auf dem alle Navigationsdaten gespeichert sind und von dem aus die gesamte Yacht kontrolliert wird. Die Garmin-Daten werden auf grossen Displays am Mast angezeigt. An die geneigte Innenseite der Säulen sind die Bedienelemente für den Kippkiel einlaminiert. Steuermann oder ein Crewmitglied haben die Touch-Kommandos in Griffnähe, ebenso wie die Bedienung des hdraulisch verstellbaren Grosssegels oder den Canard-Schwertern, die vor dem Mast platziert sind. Power für das Gross-Management liefert eine Harken 990 Racing Winsch mit drei Geschwindigkeiten. Auch sie befindet sich in der Reichweite des Steuermanns, der seine Position dank den verstellbaren Stehfläche wählen kann.

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Die Neue aus Italien setzt mit ihrem Kippkiel einen neuen Massstab im Segment der Performance-Cruiser.

Auch das geteilte Achterstag wird über eine weitere hydraulische Winsch Harken 990 Hydraulic Racing bedient, die ebenfalls für die Manöver mit dem Gennaker oder Code Zero eingesetzt wird. Die Fock kommt ohne Schiene aus, der Holepunkt wird über ein Loop-System verstellt.

Typisches designmerkmal einer Mylius sind die bündig eingelassenen Fenster im Cockpit. Die Klarheit des Decks wird dadurch gewährleistet, dass das laufende Gut in speziellen Tunnels unsichtbar bis zu Mastfuss verlegt ist. Der Karbonmast von Hall Spar ist durchgehend und der Baum wurde mit lateralen Schienen versehen, welche die Segelfläche beim Bergen ausnehmen. Dank seiner Racing-Ausrichtung lässt sich der Mast-Rake von 1.7 bis 3.7 Grad hydraulisch verändern. Auf der Regattabahn wird ein ausfahrbarer, 1,5 Meter langer Bugspiret gefahren, der durch einen fixen Rüssel bei Cruisen ersetzt wird und der in dieser Konfiguration auch den Anker trägt.

Der Motor ist ein Volvo Penta D2 75HP mit einem dreiflügligen Klapp-Propeller. Der Motor ist so dimensioniert, dass er die für alle hydraulischen Jobs, vom Schwenkkiel bis zu den Winschen, die nötige Power liefert und auch für eine schnelle Aufladung der Lithium-Ionen-Batterien (Mastervolt 10kW) sorgt, sodass unter Segeln auf den Motoreinsatz verzichtet werden kann.

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Unter Deck

Die Mylius-Yachten haben sich immer durch einen starken Charakter ihrer Innenausstattung ausgezeichnet. In dieser 60CK hat die Werft durch ein modernes und sauberes Design ein hohes Niveau erreicht, das auf ein ausgeglichenes Spiel zwischen dem dominierenden Weiss und dem Schwarz der Karbonelemente setzt. Der Karbon-Niedergang ist ein Meisterstück an Handwerkskunst, die sich im Karbontisch in der Mitte der hellen weissen Dinette wiederholt. E Entlang der linken Wand und der Stirnwand lädt ein L-förmiges Sofa ein, dem ein symmetrisches Pendant in Form eines dreiplätzigen Sofas an der Steuerbordseite gegenübersteht.

Die sorgfältige Innenaufteilung hat es ermöglicht, das gesamte System des Schwenkkielsystems vollständig unter dem Boden verschwinden zu lassen. Auch die Canard-Schwerter wurden so positioniert, dass sie der Wohnraum nicht beeinträchtigen. Cool auch die Lösung für die "Wet Box" des Kippkiels, die notwendigerweise inspizierbar sein muss. Der Kasten funktioniert mit einem gepolsterten Schiebesitz als zusätzliche Sitzgelegenheit am Tisch.

Das Layout sieht eine grosse Eignerkabine mit Bad, zwei Gästekabinen mit Bad im Heck und eine Crewkabine am hinteren Bug vor. Apropos Badezimmer: Die sichtbaren Kohlenstoff-Sanitärelemente sind sowohl in Bezug auf die Leichtigkeit als auch auf die Ästhetik bemerkenswert.

Pantry und Kartentisch befinden sich links und rechts vom Niedergang hinter der Dinette. Der Kartentisch, mit der klassischen Klappfläche ausgestattet, verfügt über ein spezielles Fach für das Navigatorentablett, das sich sowohl unter Deck als auch im Cockpit problemlos bedienen lässt. Der Navigatorsitz, ebenfalls aus Karbon, ist bequem und und wird von Stütze getragen, die an die Form der Tischstützen erinnert.

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Die Neue aus Italien setzt mit ihrem Kippkiel einen neuen Massstab im Segment der Performance-Cruiser.

Der Maschinenraum ist von der Seite der Navstation aus leicht zugänglich. Am Heck befinden sich zwei Doppelkabinen mit Bad, wo die zwei Einzelbetten jeweils in ein Doppelbett umgewandelt werden können. Zusätzlich gibt es eine mögliche dritte Koje an der Seite, ideal für ein kleines Kind. In jeder Kabine gibt es hängende Stoffschränke für persönliche Gegenstände und Stauraum für Kleidung und Navigationsausrüstung.

Zu den vielen Details des Interieurs, die uns beeindruckt haben, gehört auch die wasserdichte Luke des Bugschotts zwischen Pantry/Crewkabine und der Eignerkabine; die prächtige Ausstattung der Eignerkabine, einschließlich der mit Ultraleder gepolsterten Regale, wie sie für Autopolster bei Porsche und Lamborghini verwendet werden und die für die Rennkonfiguration leicht abnehmbar sind; die Bugluke mit abgerundeten Kanten, um das Verstauen des Gennakers unter Deck zu erleichtern; die Möglichkeit, die Yacht mit einem schnellen Magic Wheel (Retrigger) auszurüsten, mit dem das gennaker-Handling schneller abgewickelt werden kann.

 

Testsegeln

Endlich werden die Liegeplätze abgelegt, wir gehen in Begleitung eines Teils der Crew hinaus, die das Boot zu den künftigen Regatten bringen wird - es werden 14 Vollmitglieder sein - unter ihnen der America's-Cup-Veteran Alberto Fantini, der bereits am Bug der Moro di Venezia aktiv war. Der Wind im Golf von Follonica hat eine Geschwindigkeit von 9 bis 10 Knoten und erreicht Spitzenwerte von 11,5 Knoten ohne Welle, ideale Bedingungen also für einen ersten Ausflug, wo die Yacht ihr Potenzial ausschöpfen kann.

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Die Neue aus Italien setzt mit ihrem Kippkiel einen neuen Massstab im Segment der Performance-Cruiser.

Im Vergleich zum Festkiel 60 wurden die Rumpfvolumina entsprechend den im Projekt vorgesehenen höheren Geschwindigkeiten und geringeren Krängungswinkeln völlig neu überdacht. Der neue Rumpf zeichnet sich daher durch volleres Bugvolumen, einem erweiteten Mittelteil zur Erhöhung der Formstabilität und durch extrem flache Heckausgänge aus. Die Vollkarbon-Konstruktion und die Reduzierung des Ballastgewichts auf 5180 Kilogramm lassen die Waage beim Gesamtgewicht weniger als 15 Tonnen anzeigen. Mit dem um 40° pro Seite geneigten Schwenkkiel kann auch der Tiefgang von 3,5 Metern weiter reduziert werden.

In Sachen Sicherheit punktet die Mylius mit einer Crash-Box am Bug, die beim Aufprall mit einem Ufo ein Sandwichbauteil opfert, ohne strukturelle Schäden davonzutragen. Auch bei den Pumpen wurde nicht gespart: drei elektrische Bilgenpumpen kümmern sich im Notfall um eindringendes Wasser, pro Minute 360 Liter im Bug, 180 Liter in der Dinette und 120 Liter im Heck, dazu noch die Handpumpen.

Jetzt wird das Gross gehisst und die Fock 3 angeschlagen – die Yacht erwacht sofort zum Leben. Das Boot ist intuitiv, leicht zu tragen, macht Spass, mit direkten, unmittelbaren Reaktionen, man fühlt sich perfekt unter Kontrolle und das Gefühl am Steuer macht extrem Spass. Wir laufen am Wind locker 8,5 Knoten, bei einem scheinbaren Wind um 30° – kaum fällt man ein bisschen ab, klettert die Anzeige sofort höher. Die Schwerter am Bug stehen in neutraler Position, sie vehindern die Abdrift, wenn der Kiel ganz gekippt wird. Das probieren wir gleich aus, hart am Wind mit voll ausgeschwenktem Kiel bleibt die Krängung um die 16° Grad, die Wasserlinie verlängert sich optimal. Da ich bereits das Glück hatte, am Steuer der VO Racer 70 und 65 zu stehen, weiss ich, dass man eine perfekte Synchronität zwischen dem Steuermann und der Person, die den Kielmechanismus bedient, braucht. Leonardo Chiarugi und seine erfahrung lassen die Wende fast wie von selbst geschehen. Die Mylius 60CK lässt sich wie ein 40-Füsser manövrieren. Als wir auf einen Vorwindkurs gehen, sinkt die Windgeschwindigkeit auf 6 bis 7 Knoten. Mit einem wahren Windwinkel von 140° Grad sind wir genau so schnell wie der Wind. Bei 7 Knoten bleibt die Yacht stabil und reaktionsfreudig, sodass ich sofort abfallen kann, sobald sich der Windruck etwas verstärkt. Selbst beim Halsen braucht es nur wenig Wind, auch hier läuft das Manöver geschmeidg wie geölt ab.

Beim Zurücksegeln beobachten wir das sauber abfliessende Kielwasser, ohne Wirbel und ohne Widerstand. Doch tief innen blieb der Wunsch nach Adrenalin – für einen langen Surf bei 20 Knoten Wind, jene Situation des "Champagner-Segelns", für das die Mylius 60CK konzipiert wurde.

 

T: Giuliano Luzzatto

F: Carlo Borlenghi

 

MYLIUS 60CK

Länge 18,63 m

Länge mit Bugsprit 21,53 m

Wasserlinie 16,76 m

Breite 5,40 m

Tiefgang 3,50 m

(light) 14.850 kg

(approx.) 5.180 kg

Kojen 8

Bäder 3

Frischwasser 400 lt

Treibstoff 320 lt

Motor Volvo Penta D2 – 75 PS

Segelfläche am Wind 238 qm

Segelfläche Vorwind 664 qm

Mylius SRL
Via XXV Aprile 19
IT-29027 Podenzano (PC)

www.mylius.it